Teil eines Werkes 
16 (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24

ſchem Ausdruck den Herrn von Eſenheim fixirte. Es iſt eine feine Galanterie, daß der Herr Chevalier im erſten Augenblicke des Wiederſehens zeigen will, wie ſich ſein

Gedächtniß mit dem Namen einer ihm damals ſo unbe⸗

deutenden Perſon beläſtigte.

Der Freiherr ſchwieg und winkte zur Tafel, doch blieb auf ſeiner Stirne eine dickgewölbte Falte und die Rubinen ſeines Antlitzes blitzten dunkler als zuvor. Der Chevalier wagte uoh indeß der Schloßherr das Wildpret zerlegte, die ihm gegenüberſitzende Dame feſter zu betrachten. Ihre Formen trugen die jugendliche, verführeriſche Fülle wie ſonſt, und die reichere, mehr der Mode huldigende Klei⸗ dung hob die natürlichen Schätze höher noch als vordem, doch das Geſicht hatte einen fremden Charakter ange⸗ nommen. Die Roſen der Wangen, welche ſonſt gleich⸗ mäßig und ſanft gefärbt dem eben ſteigenden Morgen⸗ roth glichen, lagen jetzt gedunkelt und mehr zuſammen⸗ gezogen unter dem großen Auge, wie der Widerſchein eines inneren, verhehlten Brandes; das Auge ſelbſt, wel⸗ ches ſonſt frei, keck und feſt ſeinen Gegenſtand faßte und bis in die Seele hinab drang, funkelte jetzt unſtät unter den zuſammengezogenen Augenbrauen bald rechts, bald links, als ſcheuete es den fremden Blick, und der einſt ſo lockend geſchwollene Mund ließ ſeine Winkel wie erſchlafft niederhängen, was dem Geſicht jede Spur der ein⸗ ſtigen jugendlichen Leichtfertigkeit und Fröhlichkeit raubte, und dagegen eine unheimliche Traurigkeit und die An⸗ ſtrengung, ſie zu verhüllen, aufdrückte.

Der Chevalier wurde ängſtlich ſeiner Verführerin ge⸗ genüber. Er ſuchte ein Geſpräch zu beginnen, indem er nach dem Junker Jerome eine freundliche Frage that.

Der Junge taugte nicht mehr im Hauſe, ſeit ſeine