Teil eines Werkes 
16 (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

angeerbten Makel, ſeit ich ſah, wie Du den Fäuſten der däniſchen Schifferknechte wie ein braver Franzmann zu begegnen wußteſt. Was gibt's denn nun hier Gefähr⸗ liches im ſtillen Schloſſe? Schnell heraus damit, oder Du fühlſt einmal wieder meine blanke Klinge auf den Schultern.

O Herr, jammerte der bleiche Bub, habt Mitleiden und höret mich an zuvor. Das iſt's eben, daß das alte Schloß ſo ein ſtilles Schloß iſt. Hier, wo Ihr ſprecht und ſcheltet, wird mir auf der Stelle beſſer um's Herz Mit ſcheuen Blicken zur Thüre erzählte er jetzt, was ihm begegnet. Auch ihm hatte der Diener des Schloſſes ein gutes Kämmerlein angewieſen, und zwar in dem⸗ ſelben Flügel, jedoch ganz am Ende der Gallerie, ein rundes, gewölbtes Gemach, welches in einem Eckthurme der Burg zu liegen ſchien. Wohlgemuth, geſättigt durch ein tüchtiges Abendbrod, müde vom Ritte hatte er ſich entkleidet, das Lämpchen gelöſcht und das Bett einge⸗ nommen. Schon ſtreute der Schlafgott den Inhalt ſei⸗ ner Mohnköpfe über ihn aus, da ſchlug ein Ton an ſein Ohr, der plötzlich alle Müdigkeit verſcheuchte, ſeine Au⸗ gen weit aufriß und ihn aufrecht im Bett ſitzen machte. Es war ein wimmernder, herzdurchſchneidender Ton, un⸗ beſchreibbar ſein Ausdruck, wie von unten heraufquellend und ſich in kurzen Zwiſchenräumen wiederholend. Bap⸗ tiſt fühlte ſich augenblicklich wie in Schweiß gebadet, als jetzt aber zwiſchen dem Gewimmer ſich ein lauterer gellender Schrei erhob, war er mit beiden Füßen zu⸗ gleich aus dem Bett und ſtand mitten auf dem kalten Eſtrich. Scheu ſah er ſich um im runden, mondhellen Gemach, das jedoch bei ſeinen wenigen Geräthſchaften Niemand verbergen konnte. Er wankte zur Thüre, öff⸗