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röthen und die Beklemmung, welche er ſchon bei dem Gedanken an ihre erſte Begegnung empfand, erſpart werden möchte. Er hatte das dargebotene Mahl nicht verſchmäht, der herrliche Rebenſaft hatte ſeine Müdig⸗ keit verſcheucht; nachdem er ſeinen Reitknecht fortgeſchickt, hatte er Fenſter und Thüre geoͤffnet, um die dumpfe Luft des vielleicht lang verſchloſſenen Gemachs zu vertreiben, und ſaß jetzt, von dem Zuge der lauen Nachtluft er⸗ quickt, am Fenſter. Mitternacht ſchlug die Schloßuhr mit ſcharfen Metalltönen, da polterten Schritte im Gange, und in ſeiner Thüre erſchien eine Geſtalt, die durch ihren Anzug und ihren Jammerton in dieſer Tageszeit auch
dem Beherzten ein augenblickliches Erſchrecken erwecken
mußte. Er ſprang auf und haſchte nach ſeinem Degen,
aber augenblicklich erkannte er ſeinen Baptiſt, ſeinen
Diener, der im Hemde und niederhängenden Strüm⸗
pfen, mit leichenblaſſem Geſicht und von der Stirne ſich
aufwärts ſträubendem Haar hereinſchwankte, athemlos
ſich zu ihm flüchtete und faſt neben ihm niederſank.
Was iſt Dir geſchehen? Biſt Du fieberkrank? fragte er beſorgt den treuen Burſchen, indem er den Knieenden umfaßte und ihm das ſchwarze, kurze Haar auf die Stirne niederſtrich, wobei er kalte Schweißtropfen an ſeinen Fingern fühlte.
Herr! ſtotterte der junge Gascogner, um des hei⸗ ligen Joſephs willen ſchließt die Thüre, ehe Ihr weiter fragt.
Furcht alſo? fragte Melaec ärgerlich, indem er die linke Hand zurückzog und mit der rechten den Diener nicht eben ſanft vom Boden aufriß. Pfui über die Memme! Du weißt von unſerer erſten Reiſe her, ich dulde das nicht, und ich glaubte Dich geheilt von dem
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