Teil eines Werkes 
16 (1844)
Entstehung
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kam er die Antwort, der Schloßherr ſey nicht daheim, ſondern zur Jagd hinaus, die Edelfrau bedaure, den Fremden ſo ſpät nicht ſelbſt empfangen zu dürfen, heiße

ihn jedoch willkommen und würde gaſtliche Sorgfalt für ihn üben laſſen. Betroffen ſtieg der Chevalier vom Sat⸗ tel und folgte dem jungen Diener zu einem Seitenflügel des Schloſſes, wo ihm ein kleines Zimmer aufgeſchloſſen wurde, das ihm gar bekannt war, denn Junker Jerome hatte hier gewohnt, und Alles darin, die Mobilien, die Waffen an der Wand, der Arbeitstiſch, der Bücherſchr k, das Bett im Cabinet, Alles ſtand noch ebenſo wie dazu⸗ mal, und Melac meinte, der junge Freund, der ihm einſt ſo viel Liebes erwieſen, müßte jeden Augenblick herein⸗ ſtürmen und ſich an ſeine Bruſt werfen. Er fragte den Diener, der die Kerzen anzündete, forſchte bei der Magd⸗ welche einige kalte Speiſen und den ſilbernen Deckelkrug mit Wein vor ihm auf den Tiſch pflanzte: Beide waren erſt ſeit einigen Wochen im Dienſt, Beide zeigten einen Reſpekt vor der Herrſchaft, der wie Furcht ließ, Beide kannten keine Kinder des Edelherrn, gaben die Hausge⸗ noſſenſchaft als nur aus dem Herrn, der Dame, dem Leibjäger und einer kranken Verwandten beſtehend an, und vermehrten ſo die Räthſel, welche der Unterſchied ſeiner erſten und zweiten Aufnahme bei derſelben Fa⸗ milie bereits in dem lebhaften Franzoſen erregt hatte. Doch mit dem leichten Sinne ſeines Alters und ſeiner Nation tröſtete er ſich mit der gewiſſen Auflöſung am nächſten Morgen, meinte, die jungen Eſenheimer könnten ja ſchon ſeit Wochen eine Reiſe zu Verwandten oder zur Weinleſe gemacht haben, freute ſich des Wohlſeins der verehrten Edelfrau und gedachte ſelbſt ohne große Theil⸗ nahme der kranken Aurora, weil ihm dadurch ein Er⸗