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ſpruchsloſe Klara, vor ſeinen Augen, und in ſehnſüchti⸗ ger Träumerei ſprach er geheim wie ein Einſamer mit⸗ ten im glänzenden Hoffeſte zu ihr in die Ferne hinaus.
Ein Schreiben ſeines Oheims, des Marſchalls, gab ihm plötzlich die Ausſicht auf eine erwünſchte Verände⸗ rung ſeiner Verhältniſſe. Der Graf war Gouverneur der wichtigen occupirten Feſtung Landau geworden, und er rief ſeinen Neffen zu ſich, um Theil zu nehmen an den großen Ereigniſſen, welche vor der Thüre waren, und von denen der Alte höheren Rang und Platz zu hoffen verführt wurde. Trotz dem vergaß er jedoch ſei⸗ nen Neffen nicht, und im Gegenſatz zu ſeiner bekannten Charakterrohheit und Grauſamkeit als Soldat rief er mit faſt rührender Vaterſorgfalt ihn auf, die guten Zeug⸗ niſſe, welche der Geſandte dem Hofe zu Paris von ihm zukommen laſſen, nun auch durch höhere, männlichere Selbſtſtändigkeit zu beſiegeln, und durch Waffenthat zu beweiſen, daß ihm außer der Courtvifie und Höflings⸗ tugend auch die übrigen Eigenſchaften eines franzöſiſchen Edelmannes nicht mangelten. Mit innerer Freude be⸗ urlaubte ſich der junge Melac und durchflog ohne Aufent⸗ halt die niederſächſiſchen Provinzen und das Heſſenland. Als jedoch die ſchönen Ufer des Rheinſtroms ihn umfin⸗ gen, als er die Geſänge der fröhlichen Winzer vernahm, da umklammerte ihn die Erinnerung wie mit unbezwing⸗ lichen Liebesarmen, und er konnte ſich nicht verſagen, ihr einige Tage zu opfern. Er kam ſpät Abends im Schloſſe der Eſenheim'ſchen Familie an, aber keines der jüngern MWitglieder ſprang ihm entgegen, Hof und Gebäude ſchie⸗ nen leer und entvölkert. Zwei junge Dienſtboten, ein Burſch und ein Mädchen, ſchauten ihn neugierig an, und als er ſich der Herrſchaft hatte melden laſſen, be⸗
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