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rioden der Sonette, der Blicke und Seufzer hinweg, und mit Schrecken ſah ſich der junge Ritter faſt ohne ſein Zuthun, faſt ohne ſeinen Willen von dieſer ſchönen Eirce in ein ſehr enges Band verflochten, das zwar in ſeiner Neuheit, ſeinem Geheimniß, ſeinem Sinnentaumel ihn berauſchte, ihn zu beglücken ſchien, aber ihn erröthen machte, wenn er der lieblichen reinen Klara gegenüber ſtand und ihr lichtblaues Auge vertrauend und vertraut ſich zu ihm aufſchlug. Im ſeltſamſten Widerſpruch hielt ſeine innerſte Empfindung ihn bald feſt, bald trieb ſie ihn fort von dem Orte, wo ſein Weſen aus allen ge⸗ wohnten Schranken geriſſen worden, und ſo ſchwer er ſich von Klara's feiner Hand losmachte am Scheidungs⸗ morgen, ſo ſchmerzlich er ſich am Abende vorher aus Aurora's Sammetarm losgeriſſen, ſo ſagte er ſich doch, als er, zurückſchauend, die alte Burg auf ihrer Höhe ſchon weit hinter ſich liegen ſah, daß ſein Urlaubstermin wohl zu rechter Zeit abgelaufen ſeyn möchte.
Drei Jahre hatte der Chevalier im Gewühle der dä⸗ niſchen Seeſtadt verlebt. Die Verſchiedenheit der Sitte und Lebensweiſe, die Nähe des Meeres, die großartigen Verhältniſſe eines Seeſtaates, das Studium der Schiff⸗ fahrt und des Flottendienſtes, das den jungen Mann unwiderſtehlich anzog, wie es jeden Jüngling von Phan⸗ taſie, Geiſt und Feuer in ſeiner Gefährlichkeit, ſeiner
kühnen Wirkſamkeit, da es geſchiedene Welten verbin⸗
det, anziehen muß, dazu die Geſchäfte, welche ihm der Geſandte auftrug, ließen ihn kaum ſeiner Vergangenheit gedenken. Doch wenn ihm in König Chriſtians Schloſſe im Zirkel der ſteifen, gezierten Schönheiten Kopenhagens die Luft ſchwül und beklemmend däuchte, ſtand manches Mal die liebliche, zarte Blume der Rheinfelſen, die an⸗


