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alle Blüthe der Jugend, ihre Größe überſchritt die an⸗ genehme Mitte nicht, welche die Männer vorziehen, über einer ſchlanken Taille hob ſich eine üppige Bruſt, die lockende Wölbung der Hüften trug ein zierlicher Fuß, natürliches Roth malte die runde Wange, unter breiter Augenbraue blitzte ein dunkles Auge, aus dem gleich dem Farbenwechſel des Chamäleons jetzt kecke Laune, dann verlockende Sentimentalität, dann brennende Lei⸗ denſchaft, und jetzt wieder ſtiller, anziehender Tieffinn an das Licht trat, wie es der Beſitzerin paſſend ſchien, und eine Gewandtheit und Lebhaftigkeit ihres Beneh⸗ mens, eine faſt unbegreifliche Kunftfertigkeit, ſich in alle Hausgenoſſen zu fügen, Allen gerecht zu ſeyn, gab ihr eine myſteriöſe Gewalt, mit der ſie, die Untergeordnete, die arme, bürgerliche Waiſe, Alle, denen ſie zu dienen ſchien, auf wunderbare Art beherrſchte.
Keine Woche war verlaufen und auch Philibert fühlte ſich unterjocht und gebunden. Freilich mußte ſie dem jun⸗ gen Pariſer, der wenigſtens von fern dem Hofleben des vierzehnten Ludwigs zuſchauen gedurft und deſſen Sinne von dem feinen narkotiſchen Dunſtkreiſe oft in einen Ahnungsſchwindel gerathen waren, am meiſten zuſagen, denn die Edelfrau verbot durch den heiligen Nimbus, der ſie als eine Halbverklärte umgab, jede Aeußerung der Galanterie, Fräulein Klara hörte zwar gern ſeine Huldigung, verſtand aber in ihrer Kindlichkeit wenig davon und gab nichts zurück, Aurora aber ging in leicht⸗ finniger Verwegenheit in das romantiſche Spiel ein, ohne welches einmal kein Pariſer, wäre er auch kaum Page geworden, leben kann, und das ihm nöthig iſt wie Luft und Licht. Aber das über die Jahre der Unerfahrenheit hinaus gewachſene Mädchen lockte ihn vald über die Pe⸗


