Teil eines Werkes 
16 (1844)
Entstehung
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und gern hörte ſie des Fremden Geſchwätz, das ihre trüben Träume auf eine Zeitlang verſcheuchte. Melac fühlte ſich wunderbar von dem feinen Leidensbilde an⸗ gezogen, und es däuchte ihm, als ſey ihm in ihr ſeine Mutter erſchienen, die er nie gekannt, und mit raſchge⸗ ſchloſſener Freundſchaft ſchloß er ſich an den Junker Je⸗

rome, einen achtzehnjährigen, offenen, vielverſprechenden

Jüngling; mit zarter Neigung, deren Tiefe er erſt nach der Entfernung erkannte, huldigte er dem ſechszehnjähri⸗ gen Fräulein Klara, und wiegte den kleinen, lieblichen Spätling, die dreijährige Angela, auf ſeinem Knie, die ſich bald als ſeine Herrſcherin geberdete, ihn wie einen Pagen und Haushofmeiſter in ihrer Puppenwelt ge⸗ brauchte, und durch ihre naiven, klugen Einfälle ihn für den ſeltſamen Dienſt zu gewinnen und feſtzuhalten wußte.

Doch außer dieſen Familiengliedern ward noch eine Perſon nicht von ihm überſehen, die zwar eine unterge⸗ ordnete Rolle zu ſpielen ſchien, deren geheimer Einfluß aber bald von ihm erkannt wurde. Es war ein Frauen⸗ zimmer, Aurora benannt, welche als Geſellſchafterin von Mainz mitgenommen worden, und welche bei der Kränk⸗ lichkeit der Edelfrau alle Functionen der Haushofmeiſte⸗ rin, der Gouvernante, der Wirthſchafterin, überhaupt im weiteſten Sinne der Stellvertreterin ihrer Dame in ſich vereinigt zu haben ſchien. Demoiſelle Aurora ſchwebte auf der böſeſten Jahresſtufe ihres Geſchlechts: ſie feierte ihren Geburtstag noch unter der Zahl dreißig, erröthete jedoch jedes Mal, wenn der Geburtstagskuchen, den ihr die Kinder brachten, eine Zahl in ſeinem ſüßen Centro ſehen ließ. Uebrigens berechtigte ſie ihre Außenſeite zu der Unwahrheit und Verhehlung, denn ihre Geſtalt trug