Teil eines Werkes 
15 (1843)
Einzelbild herunterladen

511

dieſe Berge zu pflanzen vermochten, und auch unſere Vanina ward uns entriſſen vor der Zeit.

Der Baronin Auge faßte ihn ſcharf. Mit gehobener Stimme ſprach ſie: Der Baron, in's Unglück geriſſen, getäuſcht und feig verlaſſen durch Euch, ſtarb mit einem Fluche auf der kalten Lippe, und der Fluch galt Euch.

Feig! fuhr wild Sampietro auf und faßte nach dem Schwertgriff.

Und wo iſt das Grab unſerer Tochter? fuhr die Baronin furchtlos fort. Habt Ihr ſie beſtattet mit dem Ehrengepränge einer Tochter aus fürſtlichem Stamme? In welcher Kathedrale verwahrt man ihren geſchmückten Sarg? Und warum führtet Ihr die lieben Reſte unſers Kindes nicht mit Euch in die Heimath, daß wir ſie mit unſern Thräͤnen befeuchten, daß wir ſie in der Ahnen⸗ gruft neben dem Vater betten konnten, deſſen letzte Ge⸗ danken nur bei ſeinem unglücklichen Kinde verweilten?

Schickt nach Marſeille, antwortete der General rauh und ſeine Befangenheit durch erzwungenen Unwillen ver⸗ larvend. Die Zeit gebot Wichtigeres als die Sorgfalt für ein Todtengepränge und Kirchenfeſte. Laßt die Tod⸗ ten ruhen, Signora! Ihnen iſt wohler als uns.

Wohler als Euch gewiß, denn es gibt einen ewigen Richter, und der verbrecheriſche Menſch geht ſchon hier bebend unter den ſtrafenden Blitzen ſeines Gottes und höret in jedem Donner den zermalmenden Spruch ewiger Verwerfung.

Sampietro zuckte unwillkürlich zuſammen, doch ſich ermannend, ſagte er kalt und ablenkend: Ich bin nicht gekommen, Signora, um mit Euch zu rechten, oder ein Verhör zu dulden. Das Schwert iſt aus der Scheide, der Gang mit Genua auf Tod und Leben hat begonnen.