Teil eines Werkes 
15 (1843)
Einzelbild herunterladen

510

ein Belaſteter, der an keinen Schutz des Himmels mehr glauben darf? Laßt ſehen, wer von uns der Stärkere ift. Wir wollen hören, was dieſen Verwegenen bewog⸗ den Ort wieder zu betreten, der ihm ſchrecklich ſeyn müßte, wenn ein verklagendes Gewiſſen in ſeiner ent⸗ menſchten Bruſt redet.

Auf ihren Wink führte Luciano die Frauen hinweg; auch Prospers Begleitung verſchmähte die mächtige Frau, und ſchritt allein durch die Vorſäle, bis ſie auf den ver⸗ haßten Ankömmling traf. Sampietro hemmte ſtutzig ſeine ſtarken Schritte, als er die Baronin erblickte. Die hohe, dürre Geſtalt mit dem leichenblaſſen, eingefallenen Ant⸗ litze und dem ſtrengen, leuchtenden Auge darin, mit der ungebeugten, würdigen Haltung, mußte ihm im tiefen Trauer- und Wittwen⸗Anzuge als die geſpenſtiſche Ahnfrau dieſes Schloſſes erſcheinen, die ihm verderblich entgegengetreten, um Rechenſchaft für das Unheil zu fordern, das er über ihr Haus gebracht hatte. Doch ſchnell ging bei ihm der erſte Eindruck vorüber, und ſie ehrfurchtsvoll begrüßend, trat er näher zu der ſtarr Da⸗ ſtehenden und ſagte unbefangen: Ich konnte nicht vor⸗ überziehen, ohne Ornano zu betreten. Seyd mir gegrüßt, Mutter!

Mutter? fragte die Baronin erregt und mit Abſcheu. Waget Ihr den Namen auszuſprechen, den Ihr in ſeinen geheimſten Heiligthümern verletzt, an dem Ihr zum Kir⸗ chenräuber geworden, und Ihr erröthet nicht? Sam⸗ pietro änderte die Farbe und ſchien betreten. Ein hartes Geſchick drückt uns, ſagte er mit unſteten Blicken. Das Unvermeidliche muß der Menſch geduldig tragen; hat er doch keine Wehr dagegen. Der Baron iſt zu ſeinen Vätern gegangen, ehe wir die Fahne der Freiheit auf