Teil eines Werkes 
15 (1843)
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mitternächtigen Räuber. Auf fromme Männerliebe ver⸗ ſteht ſich keine Jungfrau!

Ihr thut mir Unrecht, Luciano! unterbrach ihn Va⸗ nina bewegt und ſichtlich von ſeinem Schmerz gerührt. Es war ein Schickſal, ein ſchweres Schickſal.

Was iſt Schickſal? fragte Kaſakoni mit Bitterkeit. Der Menſch ſelber macht ſein Schickſal. Hättet Ihr nicht verſchieben können, was ſolche Eile nimmer gebot? O! Ihr wußtet ja, daß Luciano nur ein Lebensglück, eine ſelige Hoffnung kannte, hatte er auch im Vertrauen zu Euch ſeine Wünſche nicht dem flüchtigen Worte anver⸗ traut. Und ein trügeriſcher Schein ließ Euch vergeſſen, was tauſend Blicke, was ein langes gemeinſames Zu⸗ ſammenleben in tauſend kleinen Merkzeichen Euch beſchwo⸗ ren! Ihr zerfleiſchtet mein Herz, das Herz Eurer Eltern, Euer eigenes in derſelben Minute. Und was ward ge⸗ wonnen durch das barbariſche Opfer? Ihr könnet nur den Fluch theilen, der auf Eures Mannes Haupt ruhtz Eure Mutter wird verzweifeln, wenn ſie einſt erfährt, in welchen Abgrund ſie das einzige Kind geleitet.

Ich darf, ich will nichts mehr hören, Ritter! Setzt meine Freundſchaft für Euch nicht auf's Spiel und ſchweigt! rief Vanina, ihr Geſicht mit den Händen be⸗ deckend und in ſichtlicher Angſt hochathmend.

Ja, ich würde ſchweigen, Vanina, fuhr er wehmü⸗ thig fort, würde allein tragen und dulden, denn Alles hienieden hat ja ein Ende, wüßte ich Euch nur glück⸗ lich. Aber Ihr könnet nicht glücklich ſeyn, ja, Ihr kön⸗ net dieſen nicht einmal glücklich machen, und in Einem von Beiden liegt ja der ganze Zweck des Menſchenlebens. Mit mir vereint, ich fühl's, wie ich Gottes Daſein weiß, wäre uns Beiden der ganze Zweck des Daſeins erfüllt