47
Nein, ich haſſe Dich nicht, Luciano! ſagte ſie leiſe und mild, indem ſie ihm die Hand bot, welche er mit heißen Küſſen bedeckte, ſo daß ſie dieſelbe in ſchneller Reue ihm wieder zu entziehen vermocht ward.
Und doch flohet Ihr ohne Abſchied? Meinen Brief, der mein ganzes Herz Euch entfaltete, zerrießet Ihr un⸗ geleſen? Nicht den kleinſten Gruß gabet Ihr für mich meiner Botin, für den Freund, der, ſeit er dachte, nur ein Glück, Eure Nähe, nur eine Treue, die gegen Euch, gekannt? Ihr haſſet mich nicht, und doch verweigertet Ihr mir, was man keinem Fremden verſagt? Aber Euer verändertes Herz hat auch mich geändert: Ihr habt mich den Haß gelehrt, den ich nie gekannt, den Haß gegen den Einen nur, aber auch einen Haß bis zum Tode und darüber hinaus.
Was bringet Ihr von der geliebten Mutter, was vom ehrwürdigen Vater? fragte raſch Vanina.— Luciano's Mund zuckte wie im tiefſten Schmerz, aber er ſenkte das Auge und antwortete gemäßigt: Die edle Signora, die auch ich wie eine Mutter verehre, rüſtet ſich zur Reiſe nach Genua, wohin man den Oheim geführt. Ihre Nei⸗ gung zu dem Gefährten ihrer ſchönen Tage iſt eine hei⸗ lige, eine ewige; ſie kann nicht ſeyn, wo er fehlt, und will ſein Unglück theilen. Eure Beſitzungen ſind alle von genueſiſchem Kriegsvolke beſetzt, und auch die unſrigen, die Schlöſſer aller Verwandten des Hauſes Ornano, be⸗ drohet ein ähnliches Schickſal.
Vanina ſetzte ſich erſchüttert auf eine Ruhebank. Und was hörtet Ihr von meinem Herrn und Gemahl? fragte ſie mit geſunkener Stimme.— Luciano's Augen entflamm⸗ ten ſich mit feindſeliger Glut. Er hat den Unglücksſtern über unſer Haus heraufgeführt, entgegnete er mit Hef⸗
—„—„„—„———
—— 12—
—
———„—


