Teil eines Werkes 
15 (1843)
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gewachſen, mich nicht zu fragen, zu hören! Freilich hätte die arme Antonia auch im Verhör ſich ſchuldig bekennen müſſen, um eines Andern willen, denn durch Verrath ſucht kein gutes Herz ſeine Freiheit. Vanina ſtarrte das Mädchen an mit ſeltſam leuchtenden Augen, Eugenie jedoch unterbrach neugierig die Klagende und ſagte mit Schärfe: Du verſtiegſt Dich hoch und naſchteſt im frem⸗ den Gebiet. Luciano

Hatte von dem fremden Freiersmann gehört, fiel mit Haſt die Dirne ein. Er beſchwor mich, ihn heimlich am Abend in meines Fräuleins Zimmer einzulaſſen, und als ich mich deſſen weigerte, Euch insgeheim einen Brief zuzuſtellen, der Euch warnen ſollte vor großem Unglück. Ich nahm den Brief im Mitleid, denn eine entſetzliche Angſt ſchien den braven Junker zu peinigen, nahm ihn aus Liebe zu Euch, Signora, denn ſeine Angſtſchauer ſteckten auch mich an.

O meine Ahnungen! rief Eugenie aus. Grobe Lüge, welche Deine Schuld verdoppelt! ſprach Vanina mit Härte.

Hier iſt der Brief! rief Antonia aus und zog ihn aus ihrem Bruſtwamms hervor. Junker Luciano ſtreifte vor drei Tagen durch Forzolo und forderte ihn zurück, aber ich ſprach: er ſey verbrannt; denn ich mußte ihn Euch ja zeigen können, um meine Unſchuld zu bezeugen. O wie ſah der arme Junker aus! Er war ein Schatten von ſich ſelber geworden, und wir glaubten Alle, ſein Geſpenſt träte über unſere Schwelle. Ein großes Unglück muß ihn getroffen haben, gegen das kein Heilmittel in der ganzen Welt und an irgend einem Gnadenbilde ſich finden ließe.

Vanina hatte des Briefes Aufſchrift angeſehen, das Siegel gebrochen und einen einzigen Blick hineingewor⸗ fen. Laß' uns leſen! ſagte haſtig Eugenie und griff nach