Teil eines Werkes 
15 (1843)
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Oder hat Eure Gerichtsbarkeit ebenfalls nur Züchtigun⸗ gen für das arme Weibervolk und gibt den Männern einen Freibrief wie bei uns?

Sprich nicht davon! gebot Vanina, nicht ohne be⸗ merkbare Heftigkeit.

Und fühlſt Du Dich glücklich, wenigſtens zufrieden?

Vater und Mutter ſtehen an Gottes Statt. Ihre Herzen ſorgten bis jetzt für Vanina's Wohl; was ſie riethen, war ſtets das Beſte. Und iſt nicht der Gehor⸗ ſam des Kindes ein heiliges unter den Geboten?

Irrthum iſt der Menſchen Schwäche, entgegnete ern⸗ ſter Eugenie. Die Augen der Mütter ſehen anders wie die der Töchter. Wirſt Du den Mann, der nur ſein Schwert und ſein Vaterland zu lieben ſcheint, lieben können mit einer Liebe, die er vielleicht nicht wiedergibt, weil er ſie nicht verſtanden?

Vanina hob die klaren Augen zu ihrem Betaltar. Das Loos iſt geworfen, ſagte ſie mit überweiblicher Fe⸗ ſtigkeit; dunkel oder hell, wir müſſen ihm Folge leiſten. Die Tochter wird ſich glücklich fühlen, weil ſie den wärm⸗ ſten Wunſch des gealterten Vaters zu erfüllen vermochte. Die Korſin wird ſtolz ſeyn auf den Befreier ihres Volkes, auf den Mann, vor dem die Edelſten des Landes ſich beugen, vor dem das prächtige, hochmüthige Genua in ſeinen Paläſten erzittert. Sein Bild wird von heute an allein vor meiner Seele ſtehen; ſein Wille iſt von heute an mein Geſetzbuch; meine Gedanken, meine Empfin⸗ dungen, ja mein Leben ſind von heute an ſein, und er allein darf über ſie beſtimmen; er iſt mein Schickſal, mein Freudengeber, mein Todesengel, mein König.

Frommes Opferlamm, möge ein himmliſcher Che⸗ rubin Dein liebes Haupt bewahren! flüſterte Eugenie in

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