46
( 9
nur unangenehm für ihn erkl insß⸗ konnte. Den Verfall des größern Hausraumes tadelts Leo mit harten Wor⸗ ten und befahl, vielleicht zu herriſch für ſein Verhältniß zu dem Bruder, der getren daheim geblieben, ſofort ei⸗ nen Boten an den Baumeiſter nach Sanct Johann zu ſchicken, damit er während ſeiner Anweſenheit noch ſelbſt über den Herſtellungsplan des Gebäudes mit dieſem reden und abſchließen möchte. Ebenſo ſchalt er Knecht und Magd über die Unreinlichkeit der Ställe und Melkkam⸗ mern, ohne zu bedenken, daß der Schimpf mehr den Aufſeher traf als die Dienerſchaft. Beſonders jedoch ſchien er ärgerlich, daß des Vaters herrliche Pferdezucht gänzlich eingegangen ſey; er ſtand mit naſſen Augen vor den großen Verſchlägen und Geſtütſcheuern und vermaß ſich mit heftigen Schwüren, binnen Jahresfriſt müßte das einträgliche Geſchäft hergeſtellt ſeyn, und er würde nicht raſten, bis er das ganze Regiment der Küraßreiter aus den Spauer'ſchen Ställen zur Ehre des väterlichen Namens remontirt habe.
Knecht und Magd hörten alle dieſe gehauften Vor⸗ vürfe, die ſich wie die Schneelähnen immer wachſend auf ſie niederwarfen, nicht ohne Muxxen, obgleich die ſtörriſchen Gemüther durch die Aehnlichkeit des Tadlers mit ihrer gewohnten Herrſchaft und durch das Impoſante ſeines ſolvatiſchen Weſens abgehalten wurden, ihm der⸗ bere Erwiederung zukommen zu laſſen; deſto größer war aber ihre Verwunderung, daß Herr Andreas gleichmüthig und ſogar freundlich dieſe Meiſterung aufnahm, da er doch ſonſt nicht der Duldſamſte genannt werden durfte, und da beſonders Alles, was ihm in ſeinem täglichen Gewohnheitsgleiſe Hinderniß gab, ihn in den Harniſch zu jagen und bis zum Jähzorn zu erhitzen pflegte. Andreas


