und den Hirten zum voreiligen Austreiben verführte. Doch die Freude dauerte nicht ununterbrochen, und gerade die erſten Tage nach Leo's Ankunft auf dem väterlichen Ge⸗ höft hatte ſich der Wind nach Oſt umgeſetzt, und warf Nachts von den Steiermärker Alpen ganze Wolkenberge feinen Staubſchnees herüber und füllte Tages die Nie⸗ derungen mit feuchten Nebelballen und legte ſie wie un⸗ geheure gefalzte Spitzenkragen um die glatten, glänzen⸗ den Hälſe der himmelhohen Eiskuppen. Leo ſehnte ſich nach einem Marſch in die heimathlichen Berge; er wollte zuerſt die Knabenzeit durchſpielen, waſſerhelle Kryſtalle ſuchen auf den Höhen, die, wie die ſechskantigen Spitzen der Wunderblumen eines unterirdiſchen Geiſtergartens, aus dem ſchwarzen Geſtein heraufſprießen; er wollte den blauen, ſchmalen Cyanenſtein losſchlagen und den grü⸗ nen Schörlſtein brechen, der wie ein dunkles, verhärte⸗ tes Kohlgewächs in den Spalten wuchert. Seiner Braut wollte er die Schätze ſeines Landes mitnehmen, ihr Klo⸗ ſett damit auszuzieren. Dann hatte er ſich vorgeſetzt, auch ſeine Jünglingszeit neu herauf zu citiren: im Walde wollte er Stier und Bär herausfordern, und auf dem Zerner jagen nach Gems und Steinbock, nach Lämmer⸗ geier und Adler. Der Himmel ſetzte ſeine Geduld auf die Probe: ſelten nur gewährte der Blick vom Fenſter ihm eine Ausſicht, wenn die Mittagsſonne ihm einen Theil der Nebel gelöst und verdünnt; an eine Bergfahrt war bei dem feuchten Schmutz der Pfade und Steige gar nicht zu denken. Verdüſtert durch die getäuſchte Hoff⸗ nung, bekümmerte ſich Leo in dieſen Tagen mehr als er vielleicht ſonſt gethan um das Innere ſeines väter⸗ lichen Erbes, und der arme Andreas mußte manches Wort hören, von dem ſich nicht läugnen ließ, daß es
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