Teil eines Werkes 
15 (1843)
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und Bruder bereits als einen Todten vder Verſchollenen aufgegeben, weil er ſo gar nichts hatte von ſich hören laſſen, als Andreas an einem Frühlingsabende, indem ſeine Gedanken nur mit dem Abendbrod und dem er⸗ ſehnten Faulbett beſchäftigt waren, mit Verwunderung einen derben Kriegsmann im blanken Zeug hoch auf einem wohlgenährten Rappen den Schluchtweg herab⸗ traben ſah, dem ein junger Reitburſch auf einem kleinen Ungar folgte. Der ungewöhnliche Anblick hielt den Frei⸗ ſaſſen feſt in der Mitte des Hofes zwiſchen Stall und Herrenhauſe, aber ſeine Neugier ging in Staunen über, als der Reiter ohne Umſtände und wie bekannt durch das alte Thor einritt, ſich ohne Anfrage aus dem Sattel warf und in einer derben Umarmung ſich als den Bruder kund gab. Der träge Sohn des Gebirges ſchien wirklich tief aufgeregt, als er in dem ſtattlichen Manne ſeinen Zwillingsbruder erkannte; wider Gewohnheit ſchrie er laut nach Knecht und Magd, zog den Leo raſch zum der blinden Mutter, und als der kaiſerliche Küraßreiter der Mutter, wie ein Sühnopfer für das lange Schweigen, einen gemsledernen Beutel mit fünfzig Silbergülden in die Hand legte, als er dann, nachdem das Abendbrod werzehrt, von den Herrlichkeiten der Kai⸗ ſerſtadt und ſeinem Glücksleben in derſelben erzählte, da funkelten die geiſtloſen Augen des Andreas, in ſeine hängenden Züge kam Lebendigkeit und Charakter, und Stephan, der Laufburſch, gaffte mit jeder Minute ver⸗ wunderter auf die Brüder, denn mit jeder Minute wurde der Andreas dem Leo immer ähnlicher. Ja, Mutter, ſprach der ſchmucke Leo, könnte ich Euch mit den blanken Sparpfennigen das Augenlicht wieder erkaufen, Ihr müßtet Euch auf meines Brauſers Croupe