Teil eines Werkes 
15 (1843)
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Neigungen Zwang angethan, und die blinde Mutter merkte wenig davon, da die Nothdurft ihr nicht verſagt wurde, indem das Nothwendigſte für die in den Gebir⸗ gen aufgewachſene Greiſin ohne viele Mühewaltung durch Knecht und Magd geſchafft werden konnte.

Der Ungarkönig Matthias hatte dazumal einen großen Theil der öſterreichiſchen Lande und ſelbſt die Hauptſtadt Wien im Beſitz, aber die vertriebenen rechtmäßigen Herr⸗ ſcher gaben ihr Eigenthum nicht auf trotz des ſieges⸗ trunkenen Uebermuths des ſtolzen Ungars, welcher mit jedem Jahre des unbefehdeten Beſitzthumes wuchs. Kaiſer Maximilian warb heimlich in Böhmen und Mähren, und die ihm befreundeten Fürſten thaten ein Gleiches. So geſchah es ebenfalls von dem Salzburger Erzbiſchof, und der Erbſchenk Graf von Künburg bot überall die junge Mannſchaft auf und ſammelte ſie unter ſeine Fahnen. Für den jungen Leo kam dieſes Aufgebot als das er⸗ wünſchteſte Ereigniß. Er meldete ſich ſofort zum frei⸗ willigen Dienſt, und der Erbtruchſes, der Fürſt von Lam⸗ berg, fand ſo großes Wohlgefallen an dem ſtattlich auf⸗ tretenden, in allen Turnkünſten ſo wohlgeübten Jüng⸗ linge, daß er ihn auf der Stelle als Rottmeiſter bei ſeinen Leibreitern einſtellte. Leo zog gen Wien, und Auſtria's Schutzengel ſchwebte über dem Heere, dem die Salzburger ſich angeſchloſſen. König Matthias war plötz⸗ lich geſtorben und ſein Statthalter, Zapolhya, zur Königs⸗ wahl nach Ungarn gereist. Erbherzog Max, des Kaiſers Erſtgeborener, benutzte den glücklichen Moment; zehn Tage ftürmten die Deutſchen, dann räumten gegen freien chrenvollen Abzug die tapfern Ungarn Burg und Kaiſer⸗ ſtadt. Leo hatte ſich ausgezeichnet; das Glück wollte, daß Prinz Maximilian in ſeiner Nähe an der Schulter ver⸗