Teil eines Werkes 
15 (1843)
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ſchnell Freundſchaft geſchloſſen, und mit halb offenem Munde ſtarrte er bald den Fremden, bald einen zweiten Mann an, welcher jenem gegenüber auf einem Schemel ſaß, die Ellenbogen auf die Kniee geſtützt und das von wüſtem Scheitel⸗ und Barthaar umflogene Haupt vorgebeugt in beide Hände geleegt hielt. Und wahrlich mehr moch als das lebendige Wort und die reichhaltige Mähr mußte dem jungen Burſchen der Anblick der beiden gegen ein⸗

ander über ſitzenden Männer auffallen: war doch Einer des Andern Spiegelbild, ſein Schatten konnte ihn nicht getreuer abkonterfeien, und hätte nicht die Tracht ſie un⸗ terſchieden, denn der auf dem Schemel trug das grüne Wollwamms und die grauen weiten Beinkleider des Ge⸗ birgsvolks, ſo würde für Jedermann die Unterſcheidung dieſer beiden Menſchen eine Räthſelaufgabe ohne mög⸗ liche Löſung geblieben ſeyn.

Leo und Andreas Spauer waren Zwillingsbrüder; ſchon als Kinder wurden ſie im Lande als ein Wunder⸗ ſpiel der Natur betrachtet, und mancher Fremde machte den Umweg in das Gebirgsthal der Knaben wegen, und mancher reiſende Maler nahm das Bild det derben, rothwangigen Bergbuben mit in ſeinem Skizzenbuche ne⸗ ben den romanesken Anſichten des Gleenthales und Wolf⸗ gangſees, oder neben den gigantiſchen, grotesken Zeich⸗ nungen vom Hochhorn und dem Großglockner in die Heimath.

Der alte Spauer hatte noch von ſeinen Altvordern

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her manches Ritterliche in ſeinen Neigungen und ſeiner

Geſinnung behalten. Nur mit Unmuth ßiörzie er den Acker und kümmerte ſich wenig um das kleine Wollvieh; Pferdezucht und Waidwerk ſagten ihm mehr zu. Unter

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den berübmten Fohlenheerden Salzburgs galten Spauers