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neben ihr bequemlich, auf einer an der Wand hinlaufen⸗ den Faulbank geſtreckt, halb lag, halb ſaß, und durch ſein Erzählen die Abendſtille unterbrach.
Der Sprechende zeigte eine wohlgewachſene, kräftige Geſtalt, ſchien noch nicht lange in das Mannesalter über⸗ getreten, ſeine Geſichtszüge waren regelmäßig und nicht gemein, aus ſeinem Auge ſprach Geiſt und kühnes Be⸗ wußtſein, ſein lichtbrauues Haar hing verſchnitten und geſcheitelt zu beiden Seiten der Stirne herab, der Bart war über den Lippen und am Kinne fein zugeſtutzt, und ſein gemsledern Wamms mit ſchwarzen Puffen an Schul⸗ tern, Bruſt und Armen, ſeine beſpornten Stiefel und ſein mit Silberbuckeln beſchlagener Leibgurt kündeten in ihm einen Fremdling an in dieſen Thälern, welches durch die blanke Pickelhaube, den Bruſtharniſch und den breiten Flamberg, die zur Seite gehäuft am Boden lagen, be⸗ ſtätigt ward, da im ganzen Gemach zwiſchen Truhen und Schreinen nur Ackergeräth und friedliche Maſchinen zur Hausarbeit und zum Vogelfang ſich vorfanden, und nichts Kriegeriſches zu ſehen war, als etwa eine Armbruſt und zwei alte Jagdſpieße, die hoch an der Wand hingen und, von Spinnenweb und Staub überzogen, ihre Nutzloſigkeit für den jetzigen Herrn ſelbſt ausſprachen.
Aber nicht die alte blinde Frau allein horchte auf⸗ merkſam und ſchweigend auf das Wort des Soldaten, denn als ſolcher verrieth ſich der Fremde durch ſein Aeuße⸗ res wie ſeine Sprechweiſe; noch zwei Perſonen bildeten den Kreis der Zuhörer. Der eine war ein junger, acht⸗ zehnjähriger Burſch, der Laufknecht des Hauſes; er hatte ſich nicht weit von dem Wehrmanne auf die Erde ge⸗ kauert neben den großen, ſchwarzen Wolfshund deſſelben,
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mit dem er durch eine Schüſſel Milch und Brodbrocken


