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Ritterſchild im Geheimgemach, weil ihnen Alles mangelte, was dazu nöthig iſt, einem Wappen und Namen die ge⸗ bührende Ehre vor der Welt zu verſchaffen. Die jetzigen Beſitzer des Gehöfts wußten wenig mehr von der Glanz⸗ zeit ihrer Voreltern und dachten kaum mehr daran; das verfallene Thor ward nicht durch ein neues erſetzt, denn man hatte nichts zu bergen dahinter, was den Raub⸗ luſtigen zu locken vermochte; der ſtolze Marſtall barg einige Stücke geringes Vieh; keine Meute jagdgewohnter Rüden kläffte im Hofe; die Hälfte des Wohnhauſes lag eingeſtürzt und die andere Hälfte zeigte nur am äußerſten Eck durch die unzerbrochenen Fenſterſcheiben den Platz, wo die Herrſchaft ihr beſcheidenes Neſt aufgeſchlagen.
Ein geräumiges Zimmer, ſicher und bequem einge⸗ richtet, umſchloß an dem Abende, wo unſere Erzählung beginnt, die ganze Hausgenoſſenſchaft; im Kamine loderte ein luſtiges Feuer, die mächtigen Tannenſcheite kniſterten und knatterten in der Flamme, als knirſchten ſie und murrten bei ihrer ſchmälichen Zerſtörung, und dicke, weiße Schaumperlen quollen aus den friſchen Aeſten wie Thränen und Blut der Dryaden, deren Daſein an das Leben des hohen Waldbaumes gebunden worden. In einem krumm⸗ armigen Lehnſeſſel, dem wärmenden Feuer zunächſt, ſaß die zeitige Herrin, Frau Martha Spauer, eine blinde, vor der Zeit gealterte Wittfrau, im ſchlichten Matronen⸗ kleide, mit einem bleichen, hagern Geſichte, in welchem die fromme Reſignation ſich längſt ſchon die Hauptzüge unterworfen hatte, obgleich jetzt in die ſtarre Schickſals⸗ ſchrift eine ungewohnte Lebendigkeit gekommen zu ſeyn ſchien, die ſich ebenfalls durch das horchende Hinüber⸗ beugen des Kopfes und die ausgeſtreckte Hand ausſprach, mit der ſie die Linke eines Mannes gefaßt hielt, welcher


