Teil eines Werkes 
14 (1843)
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457 und die Stolze diente jetzt zum Sitze für den müden Wanderer.

Hinauf! rief ich, als ich die Eiche erblickte. Langſam will ich die Freude ſchlürfen, wie der bedächtige Mann. Auch aus dieſen ſchwarzen Zweigen rauſcht mir Erinne⸗ rung, und der gefallene Stamm ruft: Geh' den Zeugen deiner ſchönen Stunden nicht ſo kalt vorüber! Du haſt recht, alter Freund! Undankbarkeit iſt eine häßliche Ei⸗ genſchaft.

Erſtiegen war der Hügel, und ich ſetzte mich gemäch⸗ lich auf den bemoosten Sitz.

Tauſche ich dich doch um keinen Sopha! ſprach ich weiter. Deine rauhe Rinde legt ſich ſo freundſchaftlich an meine Glieder, und deine Moosdecke ladet mich wär⸗ mer ein als der bunteſte Blumencatt.

Sina hier nun wieder in meinem Schooße, den ſchö⸗ nen Arm um meinen Nacken gelegt, uns gegenüber der aufgehende Mond!

Du alter Baum, dann könnteſt du wieder Wiegen⸗ lieder flüſtern und unſere Küſſe begleiteten den Abend⸗ geſang.

Nun, was nicht iſt, kann werden! Und, fuhr ich ſchneller, freudiger fort, was ein Frommer wünſcht, hö⸗ ren die guten Engel.

Sie iſt's! Da wandelt mein weißer Seraph an den Haſelſträuchen herauf.

Ihr entgegen! Nein!

Schnell ſchwang ich mich geſchmeidig durch die dun⸗ keln Zweige in den Gipfel der Eiche hinauf.

Die weiße Geſtalt kam näher und näher.

Sie war es. Wie ſchlug mein Herz gegen den alten Aſt, an dem meine Bruſt lehnte. Es zog mich herab

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