Teil eines Werkes 
14 (1843)
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Aber was hatte die Lampe auch vielleicht, ſeit Goldo fern war, beleuchtet? Wie manche Thräne aus ihrem blauen Auge ſahſt du fallen, in ihr deinen Schein wie⸗ derglänzen, und Goldo war fern und durfte ſie nicht aufküſſen! Du ſahſt, wie ſie meinen Brief erbrach, wie ihre Augen glänzten, wenn ich voll Liebe zu ihr redete.

Glückliches Lämpchen, ich beneidete dich! Du flamm⸗ teſt und lebteſt, indeß man mich um einen ſo ſchönen Theil meines Lebens beſtahl! Warum war ich nicht du? Warum war ſie allein nicht meine Gebieterin, deren ſanfte Hand nicht zu drücken vermag?

Vie Eichr.

Der Fußweg bog nun wieder ein in die Heerſtraße, aber mein Wagen war noch zurück.

Deſto beſſer kannſt du ſie überraſchen! dachte ich und überlegte, wie ich am unbemerkteſten in's Haus gelangen könnte.

Durch die kleine Gartenpforte ſchleichſt du, ſagte ich leiſe; die dichten, dunkeln Akazien überrauſchen deine Tritte, dann leiſe und ſchnell durch die Hofpforte in's Haus.

Ich hörte ſchon ihr Aufſchreien, fühlte ſie in meinen Armen.

Die Straße führte an einem mir ſo wohl bekannten Hügel hin. Eine alte Druideneiche bog ſich von ihm herab mit gekrümmtem Greiſennacken über die Straße, und im dunkeln Laube rauſchte noch feierlich und ſchaurig der Nachhall alter Bardenlieder. Neben ihr hatte einſt eine Schweſtereiche geſtanden; der Sturm warf ſie nieder