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drinnen zu heiß und eng, befahl ihm langſam zu fahren, und wanderte rechts auf dem näheren Fußſteige durch die Felder der Heimath zu.
Horch! da tönte durch die Flur das helle Glöckchen des niedlichen, prunkloſen Dorfthurms. Freudig ſchlug mein Herz, und ich hob die Arme auf nach der Gegend, aus der der freundliche Ton zu mir herüberſchwebte.
Wie oft ſaß Sina mit mir auf der ſteinernen Bank vor der Pforte im Halblichte des Abends und lauſchte dem freundlichen Tone des Glöckchens, das dem Allmäch⸗ tigen Dank tönte für die Freuden des geſchiedenen Tages. Die Zukunft ſchwamm vor meinen trunkenen Augen; ich berechnete alle die glücklichen Stunden, die mir dieſes Glöckchen weihen, zu denen es mich rufen würde.
Ich ſah die erröthende Braut im ſchwarzen Feſtge⸗ wande, über das die blonden Ringeln hintändelten, mit der einzelnen Knoſpe am Buſen. Das Glöckchen tönte.
Sie reichte dem glücklichen Goldo die Hand, und wanderte mit ihm hin zum Hauſe des Ewigen, das feſte Band der Liebe in ſeinem Antlitze zu heiligen.
Ich ſah mich ängſtlich umherirrend in den Hecken und Lauben des Gartens.
Meinen Namen rief man freudig vom Hauſe her: ich eilte zitternd herbei, flog zitternd in Sina's Zimmer, trat mit klopfender Bruſt an das Schmerzenslager der Gattin, die mir einen ſchreienden Knaben entgegen hielt. Das Glöckchen tönte heller denn je, zu verkünden meine Seligkeit.
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