Teil eines Werkes 
14 (1843)
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Thränen, ſagte ich, mich in die Ecke meines Wa⸗ gens drückend, indem ich meine Augenwinkel ſelbſt naß werden fühlte, ihr milden Attribute der Menſchheit! Weinend windet ſich das Kind über die Schwelle des Lebens; weinend ſcheidet der Greis an der Gruft. Unſer Schmerz iſt eine Thräne, unſere Freude eine Thräne.

Zähren netzen das Geſicht des Verzweifelnden, in Zähren ſchwimmt das Auge ſanfter Wehmuth. Wehe dem, der keine Thränen kennt, dem keine Thränen floßen! Ich trocknete meine Augen und ſchlug den Mantel feſter um eine ſchlagende Bruſt.

Das Glöchchen.

Es wurde Abend; immer bekannter, befreundeter erſchienen mir die Gegenſtände. Schon lief die Straße dicht an dem Fluſſe hinab, deſſen kleine krauſe Wellen ſo oft mich und die zagende Sina im engen Nachen wiegten. Schon ſah ich den Waldbach ſich in den breiten Strom ſtürzen, den Waldbach, welcher der Liebe heilig⸗ ſtes Aſyl beſpülte: ein kleines, freundliches Hölzchen, wo ich ſo oft mit Sina ſaß, meinen Kopf in ihren warmen Schooß gelegt, ihre kleine weiche Hand, unter das Weſt⸗ chen geſchoben, auf meinem Herzen zitternd.

Immer dichter wurde der Schleier der Dämmerung, und vergebens beſchwor ich den fliehenden Tag, mir dieſe Wonne nicht zu entreißen; wie der ſtolze Höfling flog er im glänzenden Wagen an dem unbeſcheidenen Bettler vorüber.

Halt! rief ich dem Kutſcher zu, als ſich die Heer⸗ ſtraße in den Wald bog, ſprang heraus, denn mir wurde