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ſchaft in einem ſo jungen Herzen! Was hätte nicht Alles an dieſer wärmenden, ſegnenden Flamme aufblühen können, wäre irgend ein anderer Guter ihr früher als ich entgegengetreten! Doch, tröſtete ich mich, ſo ſchnell emporgeloderte Gluth wird auch ſchneller ſich mindern, und ein ſanftes, erfreuendes Feuer werden!
Ich nahm Abſchied von meiner kleinen Klauſe, wo ich ſo manchen ſchönen Traum als Traum erkannt und doch werth gehalten hatte; ich nahm Abſchied von dem friedlichen Platze auf der unfriedlichen Baſtion, wo ich ſo oft geſeſſen und in die Gegend geſchaut hatte. Margarethe geleitete mich den Felſen hinab.
Hand in Hand ging ich langſam mit ihr an den Mauern hinab, über die Zugbrücke, durch die unterir⸗ diſchen gewölbten Hallen.
An ſeines Genius Hand wandelt ſo der Menſch aus der Kerkerhalle des Erdenlebens, durch die Nacht des Grabes, dem neuen Leben entgegen.
Mit jedem Schritte herab, hinter jeder überſchrittenen Zugbrücke wurde mir leichter um's Herz, bis laut wei⸗ nend Margarethe, als ſie den Wagen am unterſten Thore halten ſah, mir an die Bruſt ſich warf und meine Wonne zur milden Wehmuth ſtimmte.
Keine Scheidethränen! bat ich ſie. Du vergiſſeſt mich nicht, Dich vergißt Goldo eben ſo wenig! Und bald, recht oft werden wir uns wiederſehen!
Ach! der Hülfloſe hat ja nur Thränen! ſo ſteht in dem Taſchenbuche, das Sie mir ſchenkten, flüſterte ſie.
Du biſt nicht hülflos, meine Margarethe, ſo lange Goldo, Dein Freund, lebt! ſprach ich, drückte einen Kuß ihr in's naſſe Auge, einen zweiten auf ihre bebenden Lippen, und riß mich los von ihr.
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