Teil eines Werkes 
14 (1843)
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Gedanke des Gedächtniſſes, was ich mir hier gründete, machte mich wieder heiter. Ich gab ihr ja Beſchäfti⸗ gung für manche lange Stunde ihrer vielleicht freude⸗ loſen Zukunft; ich leitete ſie auf den Weg der Vervoll⸗ kommnung; ich gab ihr vielleicht Troſt für manche bit⸗ tere, trübe Stunde. Und iſt das nicht ein ſchönes, glän⸗ zendes Denkmal?

Die Purpurlippen.

Und ſolltet ihr mir wirklich gefährlich werden? fragte ich mit ernſtem Nachdenken, und vor meinen Augen ſchwebte noch immer das halbgeöffnete, zierliche, dunkel⸗ rothe Lippenpaar, deſſen Kuß mir eben ſo ſüß geweſen war. Wenn Margarethe meine Aufgabe fleißig vollen⸗ det hatte, ſo forderte ſie denn auch den verheißenen Lohn. Und wenn ich ihr dann ſagte: Sie möchte etwas meiner Habſeligkeiten fordern, ſo war das Gewählte meiſtens ein Kuß.

Ich mochte mein Wort nicht brechen, ihre Freude nicht verderben, und konnte auch ihrem ſehnenden Blicke nicht widerſtehen.

So hat das menſchliche Herz ſtets eine Entſchuldigung für ſeine Schwachheiten, ſeine Fehler.

Des Mädchens zarte, unſchuldige Neigung hätte mich an ſich ziehen können, wenn Sina nicht mein geweſen wäre; denn was ſchmeichelt mehr als das Hingeben der Unſchuld! Nur ähnliche Seelen ſchmiegen ſich ja an⸗ einander.

Wir hatten eine Waldlandſchaft gezeichnet. Vorn

Margarethe ſtand mir oft dann gegenüber, und der