Teil eines Werkes 
14 (1843)
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Vollendung.

Acht lange Tage waren hinabgeſchlichen. Hinge⸗ träumt hatte ich ſie. O goldene Phantaſie, nur der Verlaſſene, der Leidende fühlt deinen Werth! Wie ein treues deutſches Weib folgteſt du mir in die Einſam⸗ keit, ſchmeichelteſt mein trübes Auge heiter, erwärmteſt das erkaltende Herz, theilteſt mein Leid, fügteſt Dich in jede meiner Launen!

Die irdiſche Welt hatten ſie mir entzogen; aber aus mir ſelbſt ging eine überirdiſche Welt hervor, wo jedes Sehnen mir erfüllt war, die Alles hatte, was ich von einer Welt mir wünſchte, in der ich und Sina ein ar⸗ kadiſches Leben der lieben Einfachheit führten.

Ich kam mir vor wie die verpuppte Raupe. Leblos ſcheinend lag ich in der dichten, bewegenden, undurch⸗ ſchaulichen Hülle, aber ein Ahnen des künftigen Seins war mit mir in die umkerkenden Mauern gezogen: ich ſah mich, als ſchönen Schmetterling bewundert, von Blume zu Blume flattern.

Der neunte Tag war der Poſttag von Segenthal.

Roſine ſchrieb mir gewiß. Früher als ſonſt erwachte ich, unruhig wandelte ich in meinem Zimmer den gan⸗ zen Morgen umher, vom Fenſter zur Thüre, und von der Thüre zum Fenſter. Freilich nur vier Schritte, aber auch deſto öfter ausgemeſſen.

Meine Flöte blieb unangerührt, meine Schreibereien lagen verwaist, ſogar die kleinen, gelben, freundlichen Ammerchens, die ich jeden Morgen am Fenſter zu füttern pflegte, blieben unverſorgt, und zwitſcherten ungehört ihr Klagelied. Margarethchen, die meines kleinen Haushalts

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