Teil eines Werkes 
14 (1843)
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nicht zu enträthſeln. Vielleicht dachte ſie auch gar nichts, denn ſie ſchien ſich wohl zu befinden, und dann denkt man meiſtens wenig.

Ich fühlte die niedliche Laſt an meiner Bruſt, ihr kleines Herz ſchlug flüchtig an meinem Arm und mir wurde die rechte Seite warm, wärmer und heiß. Ich beugte mich zu ihr hinab und berührte mit meinem Munde ihre Lippen. Bebend hingen ſie an meinem Munde. Ich fühlte, daß es der erſte warme Kuß war, den ſie em⸗ pfing, an ihrem Beben, ſah es an dem Glanze ihrer Augen. Sie ſchlug ihre beiden Arme um meinen Hals, und barg ihr Geſicht an meiner Bruſt.

Hundegewinſel erhob ſich an der Pforte und wurde ſchnell zum lauten Geheule.

Zagend ſchrie ſie auf und löste die Hände. Ach, nun wird der Vater erwachen!

Ich eröffnete die Thüre, und der ſchwarze Hofhund, der ſeiner Pflegerin nachgeſpürt war, ſchritt wedelnd herein.

Mir fiel auf's Herz, was ich gethan hatte. Welche Revolution hatte vielleicht dieſer erſte Kuß im Buſen des Mädchens veranlaßt? Was knüpfte ſich vielleicht als Folge an dieſe einzige, zufällige Umarmung, zu der mich das Seltſame meiner Lage, das Ueberſpannte meines Gefühls und der Gedanke des Verlaſſenſeyns hinzog?

Ich ſchied von ihr, trieb ſie freundlich fort.

Ihre Augen hingen an meinen Lippen. Sie ſchien ſich wieder nach dem neuen Spiele zu ſehnen; raſch küßte ich ihre Stirne und ſchloß die Thüre hinter ihr.