Teil eines Werkes 
14 (1843)
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ſich an den geräumigen, ledernen Lehnſtuhl gelehnt, der

wohl noch ein Erbſtück aus den Zeiten der Turniere war und in dem ich ſaß.

Ich legte die Flöte weg und zog ſie ſanft näher. Wie nennt man Dich, Liebe? fragte ich.

Der Name iſt gar zu häßlich, ſagte ſie, den Kopf ſchüttelnd, und ich möchte immer weinen, wenn ich an⸗ dere Mädchen ſchöner rufen höre!

Kleine Thörin, lächelte ich, Du biſt niedlich genug, um Dich auch mit dem häßlichſten Namen gern zu rufen! Wie heißt denn der ſo gewaltig böſe Name?2

Margarethe! flüſterte ſie verſchämt.

Und den Namen nennſt Du häßlich? ſagte ich tröſtend. Sieh', der Name bedeutet eine Perle, und Perlen haſt Du doch gern? Heiterkeit überflog des Mädchens Ge⸗ ſicht, und ſie ſetzte ſich leiſe neben mich in den geräumi⸗ gen Seſſel.

Ja, Du biſt eine liebliche, reine Perle, in der dichten Muſchel verborgen! rief ich warm, und ſchlang den Arm traulich um des Mädchens üppigen Wuchs. Sie duldete unſchuldig mein raſches Umfaſſen und legte furchtlos ihren braunen Lockenkopf an meine Schulter.

Unſchuld! dachte ich, warum biſt du ſo waffenlos, und naheſt dich deines Charakters wegen ſo furchtlos, ahnungsfrei der Gefahr. In dir ſelbſt ſollſt du eine heilige Waffe haben, ſagen die Schwärmer; aber ſieht ſie das Auge des Schuldigen, wenn Begierde es um⸗ nebelt?

Die breite Seitenlehne des Seſſels verdeckte den Schein des Lichtes und warf Schatten über uns. Mar⸗ garethe lag noch immer ſchweigend in der vorigen Stel⸗ lung. Was in ihrem Köpfchen vorging, vermochte ich

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