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Als ich vom Traume erwachte, hatte der alte Aufſeher hinter mir den Tiſch gedeckt und aufgetragen. Er ſetzte ſich zu mir, nöthigte mich ſo lange, bis ich ihm zu Gefallen einige Biſſen aß, und plauderte dabei wie ein Staar.
Ich hörte nur Töne, und dachte der fernen Geliebten. Endlich ſchied er; die Pforte raſſelte hinter ihm zu, und ich war allein. Allein! dachte ich; verlaſſen von Allem! Da fiel mir die Ringelblume aus der aufgeriſſenen Weſte auf den Tiſch, und beſchämt rief ich: Hab' ich nicht Sina's Bild, und wacht nicht auch hier die ewige Vorſicht!
Ich nahm meine Flöte, und ſie hallte meine Gefühle
nach.
Der Bofhund.
Leiſe pochte es an mein Fenſter, als ich nach langer Zeit die Flöte vom Munde gonommen hatte. Wer da? fragte ich und öffnete den Flügel, der nach innen ging.
Ich bin's! antwortete ein feines, liebliches Stimm⸗ chen, und zwei helle Augen funkelten durch das Gitter aus der Nacht zu mir herüber. Ich bin des Aufſehers Tochter, ſagte ſie verſchämt, und wollte— Ihnen nur gute Nacht ſagen.
Dank Dir dafür! erwiederte ich freundlich. Freilich ſchläft ſich's nach einer ſolchen: guten Nacht! ſüßer.
Ach! daß Sie doch recht ſüß ſchliefen! fiel ſie gut⸗ müthig ein. Ich werde wohl nicht ſchlafen, denn ich denke noch immer an Ihr trauriges Geſicht, als Sie dem alten Manne am Thore Adieu ſagten, und ſeitdem kann ich gar nicht mehr lachen wie ſonſt. Ich ſah Sie immer an und mußte Sie anſehen; aber Sie ſah'n gar nicht her zu mir? Und faſt wäre ich d'rum recht böſe geworden!


