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Sina, warum in Thränen? fragte ich ſanft, ſie von hinten umfaſſend und die jüngſte Zähre von der langen Wimper küſſend. Sparſam muß der Sterbliche ſeyn mit ſeinen Thränen, denn es gibt der Dinge ſo viele im Leben, wo das Weinen ein Müſſen iſt. Warum weint Sina?
Kenneſt Du dieſen Kranz? fragte das Mädchen leiſe und trocknete ihre Augen an meinem Aermel.
Beinahe! erwiederte ich. Ich band ihn, glaube ich.
An meinem letzten Geburtsfeſte! fiel ſie ein. Wenn es nun wiederkehrt, wirſt Du keinen mehr binden?— Sie ſchluchzte laut.
Und warum Dir keinen mehr binden? fragte ich, ſie an mein Herz legend, indem ich ahnte, was ſich ereignet hatte. Gibt es nicht auch fern von Dir Blumen, wird auch der entfernte Freund nicht Deines Namenstages ge⸗ denken und für Dich ein Unterpfand ſeiner Treue, blü⸗ hend und friſch, natürlich und kunſtlos wie ſeine Liebe, flechten?
Dort werden Dir keine Blumen blühen! liſpelte ſie betrübt.
Und warum nicht? fragte ich. Daß ich ſie ſuchen muß, wird mir die einſam gefundene nur theurer, Dir bedeu⸗ tender machen. Und kommt auch ſtatt des duftenden Kran⸗ zes nur die gelbe Blume des Leontodons, die auf der Mauer wurzelte, oder nur ein beſcheidenes, blaſſes Veil⸗ chen, das im Schatten der Baſtion anſpruchslos keimte, ſo ſprichſt Du: Als er die erſte Blume fand, da dachte er der großen Wieſe, wo wir oft zuſammen tauſende dieſer Blumen laſen, und dann kindiſch Ketten davon flochten oder Orakel von ihnen verlangten! Und als er freudig das Veilchen erblickte, da verglich er ſeine beſcheidene,


