Teil eines Werkes 
14 (1843)
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Ich beugte mich und zog aus dem Sandhaufen, der das jugendliche Herz meines Freundes verbarg, eine ver⸗ welkte Ringelblume. Todtenblume nennt man ſie auch, als ob der Name Ringelblume ſie nicht eben ſo gut, ja beſſer zum Schmuck des Grabes weihte.

Das Leben iſt ja ein Ring; aus dem todten Staube wird Leben und aus dem Leben Staub.

Und der große, unſichtbare Ring, der eng den ſicht⸗ baren umſchlingt, wie zwei brünſtige Schlangen ſich durch⸗ winden, wäre doch wohl eher werth, durch ein blühen⸗ des Symbol dargeſtellt zu werden, als das Schreckbild des Irdiſchen: der Tod.

Lange betrachtete ich die blaßgelbe Blume. Du ſollſt mich begleiten, ſagte ich leiſe, mir Tröſtung und Stärke geben; wenn Unmuth mir den Blick trübt, ſollſt du ihn wieder vom Männerſtolz glänzen machen!

Der Wind klirrte in den Fenſtern der alten Kirche und fing ſich in ihren Vorſprüngen und Winkeln.

Alles iſt Uebergang! ſchien es mir dumpf aus den Gräbern zu rufen; mir wurde ſo ſchaurig, ſonderbar um's Herz. Ich barg meine Ringelblume zwiſchen Weſte und Hemd und ging weiter.

Yie welken Blumen.

Sina ſaß, als ich am folgenden Morgen heiter zu ihr in's Zimmer trat, vor ihrem Nähtiſchchen, und auf demſelben lag ein Kranz von welken Blumen; langſam rannen einzelne Thränen ihr über die bleichere Wange, fielen auf die erſtorbenen Blüthen, als wollten ſie neues Leben in ihnen wecken.

Blumenhagen. XIV. 28