Die Sprache der Grüber.
Ja, ſprach ich zu mir ſelbſt, indem ich unter den Sternen hinwandelte, beugen wird mich das Schickſal können, aber brechen ſoll es mich nicht! Um meiner Menſchlichkeit willen möchte ich nicht kalt bleiben, wenn die harte, kalte Hand des Verhängniſſes meine warme Hand umſchlingt, ſie zu binden; aber dieſer helle, nächt⸗ liche Himmel war ja auch geſtern mit düſtern Wolken behangen, und heute blicken doch die Sterne wieder eben ſo glänzend als ſonſt.
Mit der mildeſten Ruhe in der Bruſt ging ich weiter. Mein Weg führte mich über den friedlichen Kirchhof hin. Ich verweilte an den bewachſenen Grabhügeln. Auch Manche der Meinen wurden hier Staub. An dem noch unbegrasten Hügel eines mir jüngſt genommenen Freun⸗ des ſetzte ich mich nieder.
Und wenn nun auch des Schickſals Hand Dich bräche, Goldo, faßte ich meinen vorigen Gedankengang wieder auf, hier iſt ja Heilung für gebrochene Herzen! Hier wird die Klage zum Schweigen des Nichtgefühls, und zwei Schritte Erde tröſten beſſer und wirkſamer als ein großes Heer mitleidiger Freunde, als die gründlichſte Schlußreihe der vernünſtigſten Vernunft.
Ihr Mächtigen, die ihr, der niedern Abkunft ver⸗ geſſend, die ſchlechte, ſo leicht zu erkennende Kopie der Allmacht aus euch machen wollt, aber vergeßt, daß euer ſtrahlendes Vorbild auch im Strafen die himmliſche Liebe zeigt; ihr Mächtigen ſolltet aus Scham euer ſtolzes Antlitz verhüllen, wenn euer Blick auf eines der kleinen ſchwar⸗ zen Kreuze fällt, die hier mich umgeben, und an denen eure Ohnmacht zerſtiebt und ſchleierlos daſteht.


