Teil eines Werkes 
14 (1843)
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mir, wie lange mir noch vergönnt iſt, an der Pforte Dir den Abſchied jeden Abend zu küſſen. Des Vaters Beſorgniß macht mich oft ſo bang, aber Dein ruhiges, offenes Auge gibt mir Troſt und Hoffnung wieder!

Sina! antwortete ich, ihre Hand an mein Herz zie⸗ hend, komme was da wolle, unſere Liebe iſt nicht irdiſch, und ihr vermag daher auch Niemand Feſſeln anzulegen. Mauern ſchließen ſie nicht ein, und wenn die Mächtigen auch unſere Körper trennen, wir bleiben ewig neben einander!

Sie drückte meine Hand, und wir traten durch die weiße Gitterthüre in den erhellten Garten. Auf den Sitz unter dem alten Apfelbaum ließ ſich das blonde Mädchen nieder, und ſanſt zog ſie mich neben ſich hin.

Wie der Mond ſo lieblich herunter blickt! ſagte ſie leiſe, ſich an mich ſchmiegend; ſeit der Vater oft ſo ſelt⸗ ſam den Kopf ſchüttelt, ſcheint ſein Schimmer mir bläſſer und umwölkter. Lächle nicht, Goldo, ich glaube an Ahnungen!

Eben ſo, fiel ich ihr ein, ihre Gedanken abzulenken, war jene Nacht, wo meine Sina zuerſt die jungfräuliche Blödigkeit, durch den Zufall gezwungen, beſiegte: die Nacht des erſten Kuſſes. So entlaubt waren die Gänge des Gartens, dieſelben ſchwachen Schatten warfen die Bäume im Mondlichte und eben ſo ſtrich der Nachtwind durch das blätterloſe Gebüſch.

Wohl denk' ich noch der ſüßen Schreckensnacht, fuhr Sina fort. Schießen in der Ferne hatte uns ſchon den ganzen Abend beunruhigt. Mitten in der Nacht weckte die Schlafenden das Angſtgeſchrei: der Feind kommt! Verwirrt, ohne Gedanken, ſprang ich, nur leicht be⸗ kleidet, in den Garten, und glaubte ſchon die wilden