Teil eines Werkes 
14 (1843)
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Graf Heinrich hatte in wachſendem Staunen den Feuer⸗ worten des Lehrers zugehorcht; immer glühender hafte⸗ ten ſeine Augen auf dem Angeſicht des Glühenden, das ihm nie ſo holdſelig erſchienen, und auf der erblaßten Wange entfaltete ſich eine immer hellere Aurora.

So dürfte ich? fragte er ſcheu. So wäre Flucht nicht meine Fflicht?

Stürze Dich mit Deinen jugendlichen Gliedern in das friſche Wellenbad! rief Abelard. Und kämeſt Du um in dem glänzenden Strudel, Dein Tod wäre beneidens⸗ werth. Er ergriff das Kriſtallglas mit den Blumen. Sieh hier das Symbol der glühenden Herzensneigung, der zarten, vertrauenden Hingebung, hier das duftige Zweiglein der Braut, das Bild der heiligſten Myſterie. Du kannſt vielleicht beide gewinnen mit einem kühnen Griff, und ein thörichter Knabe wäreſt Du, wenn Du nicht das Leben einſetzteſt um dieſen Preis. O wehe dem, der zu wählen hat in grauſamer Wahl unter bei⸗ den Blumen, die nur vereint den Drachen verſcheuchen, welcher des Lebens Schatz bewacht. Ein Mann von Eis erfand das Wort: Entſagen! Es iſt die Hölle, in die Niemand freiwillig ſich ſtürzen mag. O gehe hinaus, Du Glücklicher, laß mich allein, denn Deine Thorheit hat mich krank gemacht für eine lange Nacht. Putze Dich mit Sammtſtoffen und Goldketten, fliege zu Deiner Con⸗ ſtantia, erzwinge von ihr mit heißem, kecken Geſtändniß den Spruch der Seligkeit, und denke, daß jede verlorene Stunde ſich rächt mit Marter und Qualen fruchtloſer Reue.

Er hatte bei dieſen heftigen Reden den verwirrten Jüngling faſt gewaltſam zur Thüre geſchoben, und als dieſe ſich geſchloſſen, ſchöpfte er tief Athem aus der ſchwer⸗ beklommenen Bruſt, drückte die Blumen an ſeine Lippen Blumenhagen. Rlv. 2

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