Teil eines Werkes 
14 (1843)
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Thörichter Jüngling, entgegnete Abelard ernſt, läſtere nicht die Gottheit, nicht die Natur, nicht die Urſeele der Schöpfung, nicht das ewige Licht der Höhe und nicht die heilige Flamme der Tiefe, welche Leben erſchaffen und Leben forttragen durch alle Ewigkeiten in Einer glühen⸗ den Kette, die vom Wurm bis zum Seraph reicht, der am Throne der ewigen Liebe Wache hält. Was iſt Kunſt und Wiſſen ohne Liebe? Demant und Karfunkel ohne Licht, das ihrem Kriſtall das Spiel der Wunder⸗ farben entlockt. Waren die Weiſen, die Dichter Griechen⸗ lands und Roms unbeweibte Mönche? Nein! Die Schön⸗ heit der Aſpaſia und Glykerion diktirte ihnen die Ode und den Hymnus, der noch heute unſer Herz erglühen macht; ihr Familienglück begeiſterte die rieſenkühnen Volks⸗ redner zur Vertheidigung des Menſchenrechts, und nicht in dumpfiger Zelle, ſondern mitten im Gedränge des Weltlebens ſchöpften ſie jene Erfahrungen, die uns als Geſetze des höchſten Verſtandes gelten. O wüßteſt Du, Jüngling, welchen Impuls die Liebe dem Geiſte gibt, wie durch ſie auch der feinſte Keim ſich wunderſam in der Seele entwickelt, daß wir ſtaunen ob der ſchnell uns unbewußt aufgeſchoſſenen Pflanze, wie ſie leicht macht Tagewerk und jedwedes Mühen, wie ſie lohnt und ſpornt, und ſpornt und lohnt zugleich im berauſchenden, end⸗ loſen Wechſel, Du würdeſt Dich ſelig preiſen, daß Dir des Schickſals Gunſt ſo frühe die Zauberblume auf die Bruſt gelegt, welche dem Körper ewige Jugend bringt, das Herz zu dem Höchſten und Unmöglichen erſtarkt und dem Geiſt die Fittiche der Unſterblichkeit leihet, die Zauber⸗ blume, die zu finden Millionen ihr ganzes Leben ab⸗ bringen, und ohne die das Daſeyn ein Thal der Ver⸗ weſung und der Tod König wäre auf Erden.