Teil eines Werkes 
13 (1843)
Einzelbild herunterladen

486

Warnung gut gethan. Sollte er ſie auch jetzt als Gottes⸗ ſtimme hoch halten auf dieſer geſährlichen Straße und bei einem Werke, das er ſelbſt, der kühne Mann, mit Herzklopfen begann? Aber die Damen warteten ſeiner. Er hatte der Braut, er hatte der geehrteſten Fürſtin ſein Wort verpfändet, und ein Kunigſteen war noch nie auf halbem Wege umgekehrt, wenn es nicht mehr als ein Leben galt. Der galante, ehrſüchtige Cavalier gewann den Sieg über den beſonnenen Mann: er wickelte ſich feſter in ſeinen Mantel und ging auf leichten Füßen weiter, ſchnell, doch vorſichtig unter den Laternen am Rande der Wände hinſchlüpfend.

Der große Ritterſaal ſtand offen, er mußte daran vorüber und warf einen flüchtigen Blick durch die mäch⸗ tige Flügelthüre hinein. Schaudernd ſah er, wie der Mond durch die Rieſenfenſter leuchtete und mitten im Saale eine übermenſchlich hohe, ſchwarze Geſtalt ſicht⸗ bar machte, die unbeweglich ſtand, groß und breit, und langſam den Arm hob und ihm zu dräuen ſchien. Zu⸗ gleich geſchah ein heftiger Schlag im Saale, als fiele ein Panzerſtück der Herzogsharniſche herab, welche in demſelben rund umher an den weißen Gipswänden auf vergoldeten Geſtellen ſtanden. Kunigſteens Männlichkeit hielt nicht Stand. Zu ſehr war ſein Zuſtand geſpannt durch die Idee des Unternehmens, das ſo leicht miß⸗ glücken konnte, und dem er halb gezwungen entgegen⸗ ging. Er flog am Ritterſaale vorüber, hörte den alten Blumhelm nicht, der ihn zu ereilen verſuchte, und ob⸗ gleich er auf der Flucht ſich ſelbſt zuſprach, die Erſchei⸗ nung da drinnen könne doch nur der Cuſtos geweſen ſeyn in ſeinem blauen Rockelore, welcher nach Licht und Feuer zu ſehen ging, ſo hatte er doch nicht früher freien