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Athem, bis er die Thüre des Vorzimmers der Prinzeſſin hinter ſich geſchloſſen⸗ und Fräulein Ulrikens ſanfte Stimme ihm das Wort des Willkommens entgegen ge⸗ rufen hatte.
Im Kloſterflügel begann indeß die Sultanslaune eines ſonſt edelmüthigen Gewalthabers das Vorſpiel einer Tragödie aufzuführen, in welcher die Rachſucht über jede beſſere Regung des Herzens triumphirte, die Rolle des zerſtörenden Schickſals übernahm, und ein glorreiches, mit Kraftthaten und Fürſtenadel geziertes Leben durch einen Makel befleckte, deſſen Blutnarbe bis zur Fürſtengruft ſichtbar blieb, und über ſie hinaus im Gedächtniſſe des Volkes einen Schattenſchleier um den hochgeachteten Purpur legte.— Die Patrouille hatte ihren Marſch durch die ſchmalen Gallerien und Winkel⸗ treppen des Cavalier⸗Hauſes zurückgelegt, Kapitän Blum⸗ helm war betrübt wieder zu ihr geſtoßen, und führte jetzt die Garden zurück durch das Corps de Logis, da trat Prinz Ludwig ihnen im Halblichte des Laternenſchei⸗ nes entgegen. Völlig gewaffnet war der Herr, und der weiße Reitermantel bedeckte die breite Bruſt und die ſtar⸗ ken Schultern. Seine Augen brannten unter dem hohen Hute hervor, als er jetzt wie Sturmſtoß auf den Traban⸗ tenhauptmann los trat und ihn bei dem linken Arme ergriff.
Iſt das die Treue meiner Leibwächter? fragte er mit wilder Heftigkeit. Willſt auch Du, alter Schwan, der mit ewiger Geſchwätzigkeit mir ſein eigen Loblied vor⸗ ſang, abtrünnig in fremdes Land ziehen mit dem ſchlech⸗ ten Zugvogel, der nur zu genießen und zu verderben verſteht? Warum die Runde vor Mitternacht gemacht gegen die Regel; warum laute Warnungsworte gerade hier gepredigt, wo Dir mein Wille klar die Gerichts⸗ ſtätte des Hochverräthers beſtimmt hatte?
Ohne heftige Gewalt machte der greiſe Trabant die klemmende Hand des Herrn los von ſeinem Waffenrocke. Ich war im Dienſte meines Fürſtenhauſes heute mehr deun je, treuer denn je! antwortete er auf die ſtrenge Anrede. Verbrechen verhüten iſt.gerechter als Verbrechen


