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halten; jetzt trat er langſam und vorſichtig aus dem Cavalierflügel durch die einſtige Kloſterthür in das Schloß⸗ gebäude. Tief hatte er den Federhut in das Geſicht ge⸗ rückt, der lichtblaue Mantel verhüllte die ſchlanke Geſtalt vis zum Stiefel, und unter dem linken Arme trug er, dicht an das Herz gedrückt, den getreuen Degen. An den Pfeilern der Pforte, welche einſt zum Heiligthume der Prieſterſchaft führte, ſtand er ſtill, ſah in den obern Schloßgang hinab und horchte geſpannt. Ein Geräuſch drang in ſeine lauſchenden Ohren: es kam näher und näher und er barg ſich hinter den Vorſprung eines durch das Haus neu geführten Schornſteines.
Taktmäßig nahten feſte Schritte, Waffen raſſelten. Es war die Nachtpatrouille der Garden, vom Haupt⸗ mann Blumhelm angeführt, die dicht an ihm vorüber durch die Gänge marſchirte. Acht gegeben, Feldwebel! ſprach der greiſe Kapitän, als ſie bei dem Verſteck des Horchenden vorübermarſchirten, Acht gegeben, wenn Er die zweite Runde führt! Die Durchlaucht iſt unpaß; darum iſt ſtrenge Ordre, daß Niemand⸗ ſey es wer es auch ſey, von Cavalieren oder Hofgeſinde in dieſer Nacht durch die Schloßgänge wandeln ſoll. Wen Er findet, den ſchickt Er auf ſein Zimmer zurück, und widerſetzt ſich Jemand, ſofort mit dem auf die Trabantenwache! Merkt das und macht mit Niemand Ausnahme!
Kunigſteen hatte gut gehörtz ſtutzig vernahm er den außerordentlichen Nachtbefehl, der nirgend bekannt ge⸗ macht worden, und welcher doch den Hofleuten und In⸗ wohnern der Reſidenz zuerſt hätte zukommen müſſen. Eine Ahnung wehte ihn an. Die ehrliche Stimme des alten Soldaten hatte ihm ſchon mehrere Male, in der Schlacht ſowohl wie bei der frechen Lebeluſt im Feldlager, durch


