Teil eines Werkes 
13 (1843)
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Nacht, die langſam aufſteigt, als fürchte ſie, was ſie verhüllen ſoll, will die Prinzeſſin mit ihrem Verführer entfliehen; dieſer Frevler iſt aber nicht unſer Vaſall, ſondern der Unterthan eines fremden Königs. Wir hat⸗ ten ihm unſer Vertrauen geſchenkt, er hat mit uns unter einem Zelte geſchlafen, er hat mit uns getrunken aus Einem Becher, darum gedenken wir ſeine Ehre zu retten vor der Welt, und auch die Beſchimpfung unſers Ehe⸗ bettes nicht vor die Augen unſerer Unterthanen zu bringen. Der Hochverräther werde ergriffen auf der That und ſterbe unvorbereitet in der Racht, welche ſein Verbrechen und ſeine Strafe zuſammt verſchleiern mag.

Und wie iſt der Name des kühnen Staatsverbrechers?

ſtammelte der Greis kaum hörbar. Höre ihn und verfluche den Undankbaren! rief Lud⸗ . wig, mit Ingrimm aufſpringend. Adolph Kunigſteen

heißt er und an dieſem Herzen hat er einſt geſchlafen! Nicht raſch, um des Erlöſers Willen⸗ nicht allzu⸗ raſch, mein Prinz! bat da mit Inbrunſt der Alte, dem der ausgeſprochene Name alle ſeine Lebendigkeit wieder gegeben hatte. Richtet nicht, ehe denn Ihr den Ver⸗ klagten hörtet. Der Todte kann ja nicht antworten; den Todten kann ſpäte Reue nicht wieder erwecken. Wie eine Unmöglichkeit ſteht dieſe Anklage vor meinem innern Auge: nicht Er, nicht die hohe tugendhafte Dame konnte ſo fallen, dieſe Sünde iſt zu niedrig für den Adel dieſer Seelen. O höret, bevor Ihr verurtheilt; er rettete ja einſt vor Mainz Euer Leben! 3 Und will mir jetzt meine Ehre entführen wie ein Dieb auf der Leiter? tobte zornig der Prinz, von des Greiſes Vertheidigung empfindlich im Gewiſſen getroffen und ruhelos im Zimmer umherſchreitend. Nichts weiter!

Blumenhagen. KIII. 31