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doch mit erhobener Stimme hinzu, worin man den al⸗ ten kriegsmuthigen Soldaten erkannte.
Kein mächtiger Feind bedräut uns, tobte Ludwig auf, aber eine bunte Schlange ringelt ſich an unſerm Fuße empor und ihre Doppelzunge ziſchelt nach unſerm Herzen. Du biſt der treueſte Diener unſers Hauſes und der äl⸗ teſte, und deßhalb erwartet Dein Erbfürſt von Dir den verhüllten Beiſtand gegen die heimlichſte Sünde.
Treue und Eyrlichkeit ſind die Schildhalter meines vürgerlichen Wappens, entgegnete der Greis mit ſcharfer Betonung. Beide ſind dem Dienſte meines Landesherrn verpfändet und weigern ſich nie, ſobald ſie ſelbander gefordert werden.
Höre mich an und richte Du ſelbſt, fuhr der Prinz fort. Wenn ein Unterthan hinter unſerm Rücken heim⸗ lich und nächtiger Weiſe unſere Gemahlin zu entführen wagte über die Grenze in ein fremdes Land, wie nen⸗ neſt Du die That?
Der Fall iſt unmöglich! rief Blumhelm aufſtehend, aber der Prinz drückte ihn in den Seſſel zurück und fragte härter: Graukopf, wie nenneſt Du die That?— Hochverrath! antwortete der Hauptmann ernſt und mit hohler Stimme.
Und wenn der Vaſall Wohlthaten von uns empfing, wenn er zur Vergeltung dafür unſer Gemahl verlockte in ein ſchmähliches, entehrendes Liebesbündniß, was ver⸗ dient der Verbrecher?
Den Tod auf dem Schaffot! antwortete eintönig der Trabantenführer.“
Du ſprichſt wie ein deutſcher Ehrenmann⸗ ſprach der Prinz; aber mein Fall erheiſcht andere Formen, denn die Verhältniſſe liegen nicht ganz ſo. Noch in dieſer


