Teil eines Werkes 
13 (1843)
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lag Garderobe aller Art umher, Koffer ſtanden aufge⸗ ſchlagen und halb gepackt, und auf dem offenen Sekre⸗ tär glänzten mehrere Schmuckkäſtchen, deren Inhalt ſo eben erſt ſortirt und geputzt ſchien. Kunigſteen verweilte veſtürzt am Eingange.

Was ſoll mir das, Ulrike? fragte er. Soll das auf Abſchied deuten? Sie wollen reiſen?

Auf Abſchied, Adolph, ſagte ſie, ihm entgegen tre⸗ tend und beide Hände ihm entgegen ſtreckend, oder auf engſte Einigung für immer! In Deinen Villen legte die Gottheit unſer Schickſal, Du ſelbſt darſſt ſprechen über uns, das iſt eine große Gunſt, die Wenigen ge⸗ geben wurde. Lies dieſes, ſetzte ſie hinzu, reichte ihm ein geſiegeltes Briefchen und ſchmiegte ſich an ſeine Seite; ſprich Dein Urtheil und entſcheide über uns, denn meine Wahl in dieſer Sache konnte nicht zweifel⸗ haft bleiben.

Kunigſteen nahm den Brief. An mich? Und der Prinzeſſin Hand und Siegel? entgegnete er, das Sei⸗ denpapier mit Ernſt betrachtend. Ich ahne etwas Ge⸗ fährliches. Laß ſehen, ob ich Prophet bin. Er öffnete

und las laut den Inhalt.

Sophie von**** an den Grafen Adolph von Kunigſteen.

Den Platz, wo keine Ehre mehr zu haben iſt, und welcher nur Beſchimpfung bringt, verläßt der Menſch, der noch den eigenen Werth im Herzen fühlt; darum bleibe ich nicht Einen Tag mehr innerhalb dieſer Mauern, wo mir der Fürſtenhut zur Dornenkrone wurde, wo vor einem ganzen Volke mein Name als der einer Ver⸗ achteten und Verſtoßenen erklingt und ich als Gegen⸗

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