Teil eines Werkes 
13 (1843)
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ſtand der Bemitleidung daſtehe. Es wird ſich eine Zuflucht finden, wohin die nicht reichen, welche mich haſſen. Die Freundſchaft wird mein klöſterliches Aſyl verſchönern, und wenn Graf Kunigſteen in der Liebe ſo edel iſt und worttreu, wie er immer als Kriegesheld und Cavalier gerühmt ward, ſo bin ich ſeines Beiſtandes ſicher. Unſere Vertraute, die liebe, uneigennützige Ulrike, wird Alles mit dem Retter verabreden, der keine abſchlägihe Ant⸗ wort geben kann, wenn er Mann und Ritter iſt, zum Damenſchutz geboren, zur Hülfe der Unterdrückung ge⸗ weiht mit den Ritterſporen, wenn er ſich erinnert, daß Frauenehre der zarten Mimoſa gleicht, die von jeder rohen Berührung auf immer welkt.

Mit düſterem Geſichte ſtand der Graf, als er geleſen. Das Blatt iſt ſchwer und bedeutungsvoll, ſprach er tief⸗ finnig und in Gedanken.

Und für was entſcheidet ſich mein Verlobter? fragte das Fräulein. Der Entſchluß meiner Herrin iſt un⸗ wandelbar. Falſche Dienſtfertigkeit hat ihr eine nur zu ausgemalte Nachricht gegeben von dem Rendezvous ihres Gemahls mit der Baronin im Forſthauſe; ſeit des Prinzen Unpäßlichkeit findet ein Briefwechſel zwiſchen dem Hauſe des Obermarſchalls und dem Kabinet ſeiner Durchlaucht ſtatt. Beides empörte die beleidigte Frau, da ſie dadurch das Geſpött der Dienerſchaft werden muß. Eine Klage bei dem alten Herrn würde zu nichts führen als zu vergeblichen Verſöhnungsverſuchen. Darum will ſie ſchnell und heimlich fort zu ihrem greiſen Vater. Von dorther wird ſie ihre Rechte vertheidigen, wird von da ihre geliebte Tochter fordern vom ungetreuen Ehe⸗