böſer Geſchichte verſchwanden ohne Spur, wie die Kreiſe,
welche des Knaben Steinwürfe auf der Oberfläche des See's erregen. Er trug die zarte Bürde mit einem Wohl⸗ behagen, das ihm bis an die Fingerſpitzen brannte, auf eine weichere, bequemere Moosſtelle; er lehnte das han⸗ gende Köpfchen an die knolligen Wurzeln einer hochſte⸗ henden Eiche; er ſprang zum Wehrgraben, ſchöpfte im Fe derhute Waſſer und beſprengte damit das bleiche, lieb⸗ liche Antlitz. Da er aber gar eine leichte Schramme unter den Locken helles Blut ergießen ſah, ſo warf er ſich wiederum neben der Baronin in die Kniee, um⸗ ſchloß ſie feſt wie in Todesangſt, ſuchte, einem Wahn⸗ witzigen gleich, das rieſelnde Blut mit ſaugenden Lippen zu ſtillen, und begann dann mit ſeinem heißen Munde der Lebloſen Athem und Luft einzuhauchen.
Unter ſeinen brennenden Küſſen erwachte die Baro⸗ nin und ihr erſter Hauch ſtrömte in den ſeinigen. Mit einem Ach! in dem Wonne und Weh gemiſcht war und das aus tiefſter Bruſt heraufgedrängt ward, ſchlug ſie die Augen auf, und wie ſie ſich in des Prinzen Armen erblickte, überflog eine Gluth gleich Sommermorgenlicht ſchnell Stirne und Wange und Hals bis in den wogen⸗ den, entblößten Buſen hinein. Sie ſchaute um ſich, als beſänne ſie ſich auf das Vorgefallene, und dieſes Be⸗ finnen verwiſchte immer mehr mehr und mehr die Züge des Schmerzes und der Ohnmacht aus ihrem Geſichte, indem ſie zugleich ſich ſanft losmachte.
Wo bin ich? ſtammelte ſie. Und Ihr hier mir zur Seite, mein Prinz? Ihr mein Erretter, mein Engel, der mich in's Leben rief? Unter ſolchem Todesſchlafe und ſolchem Erwachen zu wählen müßte ſchwer ſein, und es bliebe beſtändig ein Räthſel, ob man das Beſſere träfe.


