im Windzuge des Rittes die vom Morgenthau ſchlicht gewordenen Locken, und mit Schrecken erkannte Prinz Ludwig in der Unglücklichen die Baronin von Tellern, die mit der Stimme höchſter Angſt um Hülfe rief. Der Prinz warf ſein Roß herum nach ihr, aber ihr Thier, neu geſcheucht dadurch, ſetzte ſich in ſtärkere Carrieère, galoppirte über die Blockbrücke, und jenſeits an den Wald⸗ ſchlagbaum kommend, überflog es dieſen mit gewaltigem Sprunge und warf dadurch die ſchöne Franzöſin ohn⸗ mächtig vom Sattel herab in den Unterbuſch und auf die Grashügel der Bergſtraße.
Der Prinz war ſpornſtreichs neben der Gefallenen, ließ ohne Bedacht ſeinem Pferde die Freiheit, kniete hin in das Waldgras und faßte die beſinnungsloſe Dame in ſeine Arme. So ſchön war ſie ihm nimmer erſchienen als jetzt, wo ſie, mit Todesbläſſe bedeckt, ſeiner Willkür hingegeben dalag, wo die geſchloſſenen Augen nicht im buhleriſchen Feuer funkelten, ſondern unter den zarten Brauen einer ſchlafenden kindlichen Pſyche anzugehören ſchienen, wo der zerſtörte Anzug allen Regeln der Kunſt und Mode ſpottete und dennoch von der Hand einer Grazie gelegt ſchien, dennoch mehr Reiz gab, als je zuvor von dem liebenden Fürſten an der Herzensdame gefun⸗ den worden.
Verlöſcht war in Ludwigs Gedächtniß die ganze Ver⸗ gangenheit: die Eiferſucht zeigte nicht mehr den Schlan⸗ genkranz, der Verachtung Eis war geſchmolzen und ſtrömte wie ein entfeſſelter Frühlingsquell in Sehnſuchtswellen durch den jungen, lebensmuthigen Mann, nur eine furcht⸗ bare Angſt um die Geliebte blieb das einzige Gefühl ſeiner Seele, in welchem jede andere Empfindung ver⸗ ſchwamm und in dem alle Eindrücke von Kunigſteens


