Otto Fuſt an den Studioſus Yegenknauf.
Straßburg.
Das war eine böſe Kur, welche man gegen unſern Willen mit uns vorgenommen hat, mein Freund, ſo eine Art chineſiſches Bauchtreten, oder noch beſſer eine Tre⸗ panation, nach der man den verlorenen Verſtand wie⸗ der bekommt, am eigentlichſten aber dem Sacke der Irrenhäuſer vergleichbar, worin ſich das Blut bis zum Erſtarren abkühlt. Sie iſt gut angeſchlagen, mir und meinem Ritter, wir ſfind Beide ganz vernünftig und zahm geworden.
Ohne trübe Ahnung lebten wir hier ein gemüthliches Stillleben zwiſchen memento mori und Stundenglaſe, und ich mühte mich vergebens ab, meinen armen Alfred aus ſeiner Traurigkeit zu erwecken. Ich führte ihn faſt gewaltſam hinaus in das täglich neu ſich gebärende Kriegsleben, auf die Paradeplätze und zwiſchen die Ar⸗ tillerieparks. Ich dachte mir jede Nacht einen neuen Lebensplan aus, den ich meinem Herrn am Morgen vor⸗ trug, aber Nichts weckte ihn, und meine Geduld ging mit meiner Erfindungskraft zu Ende.
Da klirrten eines Morgens Gewehre dicht vor unſerm Gaſtzimmer. Die Thüre öffnete ſich: bärtige, grämliche Geſichter ſchauten herein, zwei Offiziere und ein Civil⸗ beamter ſpazierten herein, und man begrüßte uns mit dem unerwarteten Titel: Gefangene! Widerſetzlichkeit half Nichts, Entſchuldigung und gehorſamſte Anfrage ward nicht gehört, Waffen und Geld wurden uns höf⸗ lichſt genommen, unſere Papiere ſignirt und verſiegelt, und Marſch! klang es, zwiſchen die Bajonette der Blauröcke!


