23
Händen der Wundärzte, meine Glieder von Schienen und Binden gefeſſelt, da ihr Gebrauch mir am nöthig⸗ ſten war. Und alle Boten kamen zurück, einer nach dem andern, und keiner trug einen Troſt, keiner auch nur eine Hoffnung an mein Lager; ein Stern nach dem andern löſchte aus, bis dichte Finſterniß mich umgab, der kein Tag folgen wird. Aber auch das Nebelland der Ungewißheit ſollte mir keine Zuflucht bieten, denn am Mittage brachte man einen Fiſcher zu mir, in deſſen Händen ich Raphaelens Shawltuch erkennen mußte. Nach Mitternacht hatte er am Seegeſtade ſeinen Nachen und ſeine Netze gerüſtet zum frühen Morgenfang. Eine weiße Geſtalt war ihm erſchienen auf den hohen Kreide⸗ klippen, er hatte ſie für die Mutter Gottes gehalten mit dem heiligen Kinde, welche gekommen, ihn zu warnen und den nahen Sturm zu verkünden. Wie es aber Tag geworden, fand er das Tuch flatternd an der ſpitzen Felſenhaube, weit hinaus am Rande der Bucht.
So blieb denn kein Zweifel; alle Schifferdörfer wa⸗ ren durchſucht, und die Schwache konnte ja nicht weit geflohen ſeyn, mußte doch irgendwo Ruhe und Nahrung geſucht haben. Ihr iſt wohl; ſie ſchläft in der großen Wiege, welche ſie auf weichen Kiſſen hinüberſchaukelt zur Küſte, von welcher ihre Väter ſtammten; ſie ſchlummert in dem großen Grabe, worin viele Eurer tapfern Vor⸗ fahren ihre Ruheſtätte fanden, wenn ſie den gewaltigen Segelkahn gegen die Feinde ihres Volkes ſteuerten.
Gib die Rache auf, Alfred! Suche den Böſewicht ferner nicht, der dieſes zarte Weſen zertrat. Ueberlaß ihn den Gerichten der Ewigkeit, Deine Rache würde zu menſchlich ſeyn, zu kurz für ſolche Gräuelthat. Der Rä⸗ cher dort oben wird ihn zu finden wiſſen, Raphaelens
————


