kalten Buchſtabenreihen Dir hinzuzeichnen, was Du wiſ⸗ ſen mußt? Könnte ich es in Ein Wort faſſen, ſelbſt das Wort würde auf der Zunge Eis werden.
Nimm alle Kraft Deiner Jugend zuſammen, und bereite Dich auf etwas Entſetzliches. Die Griechen glaub⸗ ten an ein zermalmendes, die Menſchen haſſendes Fa⸗ tum; ich hörte ſeinen ehernen Schritt, fühlte ſeine guet⸗ ſchende Rieſenfauſt. Raphaele, o halte Dein Herz, mein Alfred, ſey ſtark und fluche Niemanden, Raphaele iſt verloren, fort, unwiderbringlich, für immer!
Da iſt der Syſiphusſtein vom Herzen abgewälzt, und nach einer langen Erholung kann ich weiter ſchreiben. Raphaelens Geiſteskrankheit erſchien immer ſchwerer, doch konnte Niemand Arges ahnen, denn ſie ward geduldiger mit jedem Tage und ſtiller und ſcheinbar zufriedener. Ihre Kleine blieb die Axe ihres Daſeyns, und wie ſie der Außenwelt immer entfremdeter wurde, ſo wandte ſich ihr ganzes Leben immer mehr dem klei⸗ nen, lieblichen Geſchöpfe zu. Nie blieb ſie ohne Aufſicht, ohne Wärterin, aber eine ihrer Jungfern ließ ſich leicht⸗ ſinnig verleiten, ihre Nachtwache einige Stunden zu verlaſſen und der Hochzeit einer Muhme beizuwohnen. Im tiefen Schlafe verließ ſie ihr Fräulein; als ſie heim⸗ kehrt, iſt Raphaele fort, nirgend zu finden, entflohen mit dem Kinde. Wie wahnwitzig ſtürzte die ſündige Dirne vor mein Bett, und weckte mich mit der Schre⸗ ckenspoſt. Ich ſelbſt und die ganze Dienerſchaft hinaus, zu Pferde auf allen Straßen. Mein alter Fuchs ſtürzte auf der erſten Meile, mein Arm fand ſich gebrochen, mein Fuß verrenkt; ſo trug man mich zum Schloſſe zurück.
Denke Dir meinen Zuſtand, Alfred! Auf der Doppel⸗ folter innerer und äußerer Schmerzen lag ich unter den


