zu großer Leichtfertigkeit für die Anweſenden, die Anklage iſt erſchrecklich, aber die Vertheidigung deſto leichter. Ich kann die Ehre, welche der fremde Herr mir ſo weit herzutragen bemüht war, nicht annehmen, ſie gebührt mir nicht, wenn ich mich auch ſicher nicht unglücklich füh⸗ len würde, einen ſo wackern Mann Bruder, und eine Dame, die liebewerth ſeyn muß, wenn ſie dem Bruder ähnelt, Gattin nennen zu dürfen. Schade, daß Beides nicht angeht, und ich den Papa bitten muß, meine Recht⸗ fertigung auf meine Weiſe führen zu dürfen.
Nicht angeht? ſtieß Güldenkron heraus. Dann wird Blut gut machen müſſen, was Blut verſchuldete.
Eine kleine Geduld! bat der Comte Louis. Ich hole ſchon meinen Sekundanten. Er ſprang aus der Thüre, und in wenigen Sekunden kam er zurück und führte ein niedliches Frauenzimmer mit ſich, das er meinem Ritter als ſeine Gattin präſentirte. Güldenkron verſtummte, ſein Zartgefühl verbot ihm jedes fernere Wort, aber er biß die Zähne in die Lippen, weil er die Komödie für Hohn hielt, und man ſah ſeinen Bewegungen an, daß er raſch abbrechen wolle, um auf anderem Wege zum Ziele zu kommen; der Comte Louis hielt ihn auf und war plötzlich ernſthaft geworden.
Sie dürfen ſo nicht gehen, mein Herr! ſprach er. Ich fühle, was Sie in dieſem Augenblicke empfinden, weiß, was Sie denken. Ihr Deutſchen ſcheltet uns oft die leichtfertige Nation, leicht ſind wir mehr als Ihr, leichteren Sinns, heiteren Gemüths, tragen die Lebens⸗ laſt ſorgloſer, aber der Leichtfertigen gibt es jenſeits des Rheines ſo viele wie dieſſeits.
Meine Louiſon, fuhr er dann, gegen das Dämchen gewendet, fort, Du erinnerſt Dich der räthſelhaften Briefe


